WALDORFSALAT

Der kritische Podcast zur Anthroposophie

Salatbar #4 - Lea trifft Julia

30.11.2023 57 min

Video zur Episode

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Zusammenfassung & Show Notes

An der Salatbar redet diesmal Lea vom Team Waldorfsalat mit Julia über ihre Erfahrungen an einer Waldorfschule mit einem Förderschulzweig mit sogenannten Kleinklassen. 

 

Zu Julia:

Julia kam Ende der 90er Jahre nach 4 Jahren Grundschule auf eine Waldorfschule. Nach Problemen mit dem Klassenlehrer musste sie von der regulären Großklasse in die Kleinklasse/Förderklasse wechseln und blieb dort knapp 3 Jahre bis sie wieder in die Großklasse wechseln durfte. Nach der 12. Klasse wechselte sie auf eine Regelschule und legte dort ihr Abitur ab.

 

Das Salatbar-Format:

An der Salatbar wollen wir die Möglichkeit schaffen, in einem möglichst sicheren Rahmen Kritisches aus der Welt der Anthroposophie zu erzählen. Wir wollen dem Narrativ der Einzelfälle und des persönlichen Versagens etwas entgegensetzen.

Wir wollen das Schweigen brechen und Worte finden. Wir wollen komplexe Gefühle und Wahrnehmungen validieren und vielleicht ein bisschen sortieren. Dabei können emotionale und schwierige Themen zur Sprache kommen. 

Wir bemühen uns darum, unser Material möglichst sicher und zugänglich aufzubereiten, haben selbst aber keine therapeutische Ausbildung, nur begrenzte Kapazitäten und unseren eigenen beschränkten Erfahrungshorizont. 

 

Bitte achtet auf euch. Ist gerade ein guter Zeitpunkt? Könnt ihr gut für euch sorgen und ggf. danach mit jemandem drüber reden? 



Content-Notes:

Allgemein Ableismus und Mobbing

Gewalt an der Schule, Ausgeliefert sein, Mobbing: 27:17 - 28:48

 

Kapitelmarken:

  • 00:00:50 Heimweggedanken
  • 00:03:25 Begrüßung
  • 00:03:54 Vorstellung Gast
  • 00:04:59 Was sind Kleinklassen? Oder A, B, C-Klassen?
  • 00:12:49 Stigmatisierung von Kleinklassenschüler_innen
  • 00:18:45 Wechsel von Grundschule auf Waldorfschule
  • 00:22:10 Klassengrößen und Entstehung der Kleinklassen
  • 00:25:10 Kleinklassen und Schulabschlüsse
  • 00:27:10 Konflikte und Mobbing in der Kleinklasse
  • 00:29:51 Wechsel von der Klein- in die Großklasse
  • 00:34:03 Schulabschluss an der Waldorfschule und Wechsel aufs Fachgymnasium
  • 00:37:55 Klassenübergreifende Freundschaften 
  • 00:39:12 Rückblickende Betrachtung der Entscheidung für die Kleinklasse
  • 00:43:25 Gewalt und Mobbing statt Heimeligkeit
  • 00:45:52 Wahrnehmung der eigenen Schulzeit
  • 00:49:12 Wie wurdest du kritisch?
  • 00:52:52 Abschied. Julias Wunsch.
  • 00:56:55 Abschied. Leas Wunsch.

 

Beratungsstellen:

Anlaufstellen für Hörer*innen, die nach dem Hören Gesprächsbedarf haben.

 

DEUTSCHLAND

Die Telefon-Seelsorge ist gebührenfrei und rund um die Uhr unter 0800/111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar.

Wer nicht telefonieren möchte, findet auch einen Chat oder kann per Mail kommunizieren: https://online.telefonseelsorge.de

 

Angebot für Erwachsene:

https://www.psychenet.de/de/hilfe-finden/schnelle-hilfe.html

Angebot für Frauen: https://www.hilfetelefon.de/das-hilfetelefon/angebot-im-ueberblick.html

Angebot für Jugendliche:

https://jugendnotmail.berlin

 

ÖSTERREICH

Liste mit verschiedenen Angeboten für verschiedene Zielgruppen

https://www.gewalt-ist-nie-ok.at/de/was-kann-ich-tun-adressen-links

 

Angebot für Jugendliche und auch Eltern - telefonisch, Chat, Online

https://www.rataufdraht.at



SCHWEIZ

Sorgentelefon 143 - Auch Chat und Mailberatung

https://www.143.ch/Beratung/Beratungsangebot

 

Liste mit Anlaufstellen

https://www.lilli.ch/gewalt_schutz




Das Waldorfsalat-Format:
Ein Gast oder eine Gästin mit Expertise, der "Anthroblogger" Oliver Rautenberg als Moderator und zwei #ExWaldi mit Erfahrungen in anthroposophischen Einrichtungen - das sind die Zutaten für unseren Waldorfsalat.
 
Wir möchten uns in diesem Podcast kritisch über Anthroposophie unterhalten. In jeder Folge nehmen wir uns einen anderen Aspekt vor - von der Pädagogik über die Landwirtschaft bis hin zur Medizin und Weltanschauung. 
Wir bringen alle unterschiedliche Motivationen, Vorerfahrungen und Hintergründe mit.
Uns eint der Wunsch nach Aufklärung, die Theorie und Alltagspraxis zusammen bringt.


Allgemeines
Mehr Kritisches über Waldorfpädagogik und Anthroposophie findet ihr auf Twitter, Bluesky und Instagram unter #ExWaldi und #AnthroMeToo. Unter diese beiden Hashtags schreiben   Betroffene in den sozialen Medien über ihre Erfahrungen.
Wir sind gespannt und neugierig auf die kommenden Gespräche.


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Transkript

Herzlich willkommen an unserer Salatbar. Schön, dass ihr bei uns seid. Diese Art hier ist ein bisschen anders als die regulären Folgen vom Waldorfsalat. Hier werdet ihr gleich ein Gespräch zwischen zwei Ex-Waldis erleben und eine Person davon ist aus unserem Team. Bevor es aber auch schon gleich direkt losgeht, noch mal ein Hinweis. Wenn ihr selber Ex-Waldi seid, dann schaut bitte vorher noch mal in die Shownotes und Kapitelmarken. Vielleicht findet ihr da ein paar Inhaltswarnungen und wenn es euch mit dem Themen nicht so gut geht, dann hört einfach noch mal einen anderen Zeitpunkt rein oder oder holt euch jemanden dazu, mit dem ihr das zusammen anhören könnt. Und wenn ihr keine Ex-Waldi seid, schaut trotzdem mal rein, dann könnt ihr schon mal sehen, was euch gleich erwartet. Also seid gespannt auf eine ehrliche, zum Teil emotionale und spannende Unterhaltung. Und wenn die Musik hier gleich vorbei ist, dann geht das auch schon direkt los. hi, hier ist lea vom team waldorf salat. Ich habe mich mit Julia über ihre Erfahrungen in einer sogenannten Kleinklasse an einer regulären Waldorfschule unterhalten. Im Verlauf des Gesprächs reden wir manchmal von Inklusion, obwohl der Begriff an der Stelle nicht korrekt ist. Daher hier eine kurze Einordnung. Bei Inklusion geht es um Begegnung auf Augenhöhe. Alle Gruppen und Strukturen müssen sich bewegen und verändern, sodass gleichberechtigte Teilhabe für alle stattfindet. Bei Integration werden nur die zu integrierenden Kinder darin unterstützt, mehr oder weniger teilzuhaben. Das Umfeld bleibt dabei unverändert. Bei Segregation werden Kinder, die in bestehenden Strukturen nicht klarkommen, abgesondert. Das betrifft zum Beispiel Förderschulen im Allgemeinen und in diesem Fall halt auch die Kleinklasse von Julia. Auch an der allerersten Waldorfschule wurden bereits Kinder separiert. Schon im Jahr 1920, im April, noch nicht einmal ein Jahr nach Gründung, wurde eine sogenannte Hilfsklasse eingerichtet. Welche Kinder dorthin sollten, entschied Rudolf Steiner auf dem Alleingang. Wie die Kinder das damals erlebten, wissen wir nicht. Steiner hat jedenfalls regelmäßig in Lehrerkonferenzen irgendwelche medizinischen und psychologischen Diagnosen für einzelne Kinder rausgehauen, oft auch inklusive Behandlungsempfehlungen wie den Verzehr von Blaubeeren, Arsen oder Phosphorsaurum-Kalk, Sprachübungen, Heileurythmie oder Anwendungen wie Schröpfen. Rudolf Steiner war dabei weder Arzt noch Psychologe noch ausgebildeter Pädagoge. Aber er hatte die Macht und das Ansehen. Wenn Julia jetzt gut 100 Jahre später erzählt, dass sie ohne eine Diagnose externer Fachkräfte in eine Förderklasse versetzt wurde, sehe ich da durchaus eine Tradition. Es wurden keine Förderziele kommuniziert und nicht geschaut, ob dieses Kind in der Kleinklasse vor diesem Hintergrund wirklich besser gefördert werden kann. Ihr Klassenlehrer hatte scheinbar schlicht die Macht, das so zu entscheiden. Über die anderen Kinder ihrer Kleinklasse wissen wir natürlich nicht, wie das ablief. Aber Machtstrukturen sind in vielen Waldorfschulen einfach wild. Nachdenklich gemacht hat mich mal wieder der Aspekt, wie wenig man als Waldorfkind solche Entscheidungen erklärt bekommen hat. Ich wusste auch nie, weshalb ich zur Heilerot nie musste. Genauso wenig wie bei anderen pädagogischen Maßnahmen. Man musste sich halt einfach ohne Erklärung in der neuen Situation zurechtfinden und oft erst mal durch Try und Error herausbekommen, was von einem nun erwartet wird, um zu signalisieren, dass man sich wie gewünscht entwickelt hat. Ob Julia sich in der Kleinklasse gut aufgehoben gefühlt hat oder das Gefühl hatte, dort falsch zu sein, war scheinbar nichts relevant. Ich jedenfalls bin sehr froh, dass Julia uns ihre Geschichte erzählt hat. Willkommen an der Salatbar. Ich bin Lea vom Team Waldorfsalat und mit mir an der Salatbar sitzt heute Julia. An der virtuellen Salatbar sozusagen. Julia war, so wie ich, auch auf einer Waldorfschule. Allerdings hat sie eine spezielle Waldorfschulform miterlebt, die ich so nicht kenne. Da bin ich selber ganz gespannt. Und zwar eine Waldorfförderschule mit Kleinklassen. Aber Julia, du darfst dich gerne einfach erstmal ein bisschen selber vorstellen. Hallo. Ja, vielen Dank für die Einladung. Genau, ich bin Ende der 90er Jahre auf der Waldorfschule gewesen, aber jetzt nicht ab ersten Klasse, sondern erst ab der fünften. Wieso, weshalb, erzähle ich gleich noch. Das heißt, ich habe vor allen Dingen die Mittelstufe und die Oberstufenzeit in der Waldorfschule erlebt und war da in der Zeit eben zweieinhalb bis drei Jahre in einer Kleinklasse, in einer sogenannten, also die wird im Waldorf-Kontext eben Kleinklasse genannt. Und war dann eben auch in der sogenannten normalen großen Klasse in der Waldorfschule anschließend, sodass ich eben beides kennenlernen durfte und gerne auch da über meine Erfahrung berichten möchte, einfach weil ich auch immer wieder festgestellt habe, dass gerade die Kleinklassen noch mal eine besondere Problematik zeigen, wie ich finde, und da einfach auch im öffentlich bisher ganz wenig von berichtet wird. Ja, es haben ja auch noch mal noch weniger Menschen Erfahrungen mit den Waldorfförderschulen, weil es von denen noch mal deutlich weniger gibt. Also Waldorfschule, sagt man, sind so glaub ein Prozent aller Schüler*innen und in den Förderschulen sind das ja sicher noch mal viel weniger. Genau, also du warst erst auf einer Grundschule, sagst du. Das heißt, so die erste, so dieses Lesen lernen, Schreiben lernen und die ganzen Basissachen hast du auf der Grundschule gehabt. Und wie bist du dann zur Waldorfschule gekommen? Kurzer Einschub, es ist keine Waldorfförderschule, sondern nur eine Schulklasse. Das ist ein eigener Zweig an der Waldorfschule. Das heißt, eine Waldorfschule, die einen Förderschulzweig hat. Da gibt es auch noch die sogenannten E-Klassen. Die A-Klassen sind die normalen Großen, die B-Klassen sind die Förderschulklassen. Dann gibt es an manchen auch noch die sogenannten C-Klassen. Das sind dann wirklich für Kinder mit geistiger Behinderung oder stärkerer Behinderung Einschränkungen. Das heißt eigentlich, damit ich das mal verstehe, weil ich weiß, dass es tatsächlich wirklich nur Förderschulen gibt. Da ist mir schon mal aufgefallen, dass die nämlich dann nicht, also normalerweise heißen die Waldorfschulen ja fast alle irgendwie, "Freie Waldorfschule" Ortsname oder "Rudolf-Steiner-Schule" Ortsname. Und es gibt tatsächlich inzwischen auch, gerade in den Städten, wo es mehrere Waldorfschulen gibt, auch noch welche, die dann nach großen Waldorf-Persönlichkeiten heißen, wie Eugen Kulisko oder, naja, das gab noch, fällt mir jetzt nicht ein. Aber es gibt halt dann noch welche, also diese Förderschulen, Und die heißen dann plötzlich irgendwie Christophorusschule und Georgenschule und Parzivalschule und so. Also das fand ich da schon interessant, dass es da eine Distinktion allein schon in der Namensnennung gibt. Aber das, was du erlebt hast, war jetzt nicht eine reine Förderschule, sondern das war jetzt sozusagen eine Waldorf-Inklusionsschule? Also eigentlich ist das eine ganz normale Freidorfschule. Mit einem Inklusionszweig. Mit einem Zweig. Ah, okay. Mit einem Inklusionszweig. Und an der, an der ich war, da gab es damals, aber ich glaube, das ist mittlerweile, das ist ja auch schon lange her, damals gab es halt diese Förderschulklasse auch nur alle zwei Jahre. Also das heißt, es gab zum Beispiel eine 5b, eine 7b und eine 9b, aber keine, also das hat dann immer gewechselt. Also es gab alle zwei Jahre quasi eine entsprechende Klasse dazu. Ah, okay, dann habe ich das, glaube ich, ein bisschen besser verstanden. Das heißt eigentlich, weil ich das bisher so gedacht hatte, dass das halt tatsächlich, also diese, ich habe von diesen A-Klassen, B-Klassen schon gehört, aber dass das jeweils so tatsächlich Schulen sind, also Waldorfschulen sind, die sich sehr auf Inklusion spezialisiert haben und ja dann auch entsprechend Personal und irgendwie sowas haben. Genau, und das ist, was halt auch einfach wichtig ist, finde ich, zu wissen, ist, es wird auch räumlich getrennt. Also es gibt die normalen großen Klassen sind in einem eigenen, sind in einem großen Bereich und da gibt es einen kleinen extra, also zumindest in der Weiderschule, in der ich war, also allgemein weiß ich es nicht, aber für die Weiderschule, da gibt es einen extra Zweig, also einen extra Anbau quasi. Dort sind die Kleinklassen separiert. Ah, okay. Genau, und diese C-Klassen sind noch mal separiert. Und sie haben zum Beispiel auch in den kleinen Klassen öfter mal noch eine Küche mit drin oder so. Also das ist dann Heimeliger quasi. Wichtiger Schule. Heimeliger, genau. Und habt ihr, also um nochmal ein bisschen beim Layout zu bleiben, hat sich das dann in bestimmten Unterrichten, also Werken oder Sport oder in den Pausen oder in irgendwas gemischt? Oder war das tatsächlich so, dass das zwar offiziell die gleiche Schule war, aber vom Erleben her eigentlich das total parallel lief? Also die Pausen waren im gleichen Pausenhof auf jeden Fall. Und es kann mal sein, dass ja, dass man sich vielleicht im Werkraum mal begegnet ist, also in den Werkstätten. Aber eigentlich hat man da seinen eigenen Unterricht und begegnet halt den anderen Klassen einfach nur so auf dem Schulhof, Wie man in der normalen dritten Klasse begegnet, auch der vierten Klasse jetzt nur auf dem Schulhof. Ja. Und wusstet ihr voneinander immer so, wer, ob jemand A oder B oder Klasse war? Genau, also das war sehr, sehr klar, wer in welcher Klasse war. Und also zumindest bei mir auf der Waldorfschule war das so, dass man alle auf dem Pausenhof eigentlich kannte und auch wusste, wer in welcher Klasse war. Und wenn da mal ein fremdes Gesicht war, aufgetaucht ist, ist es sowieso total aufgefallen. Das habe ich auch in einer anderen Schule so auch nie erlebt, dass man alle so kennt irgendwie und alle auch mal so eingeordnet hat. Ja, das Eingeordnete, da sagst du was, das ist tatsächlich rückblickend, finde ich das auch enorm, dass irgendwie, ja, ich meine, alle kennen, klingt ja immer so gesellig irgendwie, ne? Und trotzdem war das so, dass ich im Hort, aus organisatorischen Gründen irgendwie im Hort, mit der Klasse über mir war und in der Schule halt mit meiner Klasse. Und auf dem Schulhof habe ich eigentlich trotzdem, hat sich das dann nicht gemischt oder sowas, sondern das war immer irgendwie ganz klar, wer so mit wem spielt und mit wem man halt auch nicht spielt, obwohl man die Namen von all den Kindern eigentlich irgendwie ja auch kannte. Und ich meine, man geht ja auch einfach sehr viele Jahre zusammen in die Schule. Also gerade wenn man jetzt denkt, zumindest die Theorie, dass man von 1 bis 13 in die gleiche Klasse geht, dann hat man halt auch einfach sehr viele Jahre Zeit, sich Gesichter und Namen und Storys. Und es wird ja auch viel einfach Gerüchte und Geschichten irgendwie rumerzählt von Geschwisterkindern und so und die Eltern und so. Ja. Ja, ich denke, dass es einfach wichtig ist zu wissen, dass die Kleinklassen einfach, also zumindest damals, eine andere Stellung hatten. Also die Kleinklassenschüler. Es ist da einfach schon, dass es immer was Besseres. Man war in der großen Klasse, als man ist in der Kleinklasse. Also es gab da immer eine gewisse Abwertung. Und genau, also das ist auf jeden Fall wichtig zu erwähnen. Ja. Meinst du, dass man das von außen hätte sehen können? Also auf Monatsfeiern oder sowas? Oder ist das was, was tatsächlich man vor allem als Kind einfach spürt? Ja, ich denke, man spürt es vor allen Dingen als Kind. Also ich denke, da kommen wir ja auch in Richtung Außenwirkung. Wie wird das nach außen verkauft? Ich habe jetzt nochmal bei meiner alten Waldorfschule auch auf der Website geguckt. Da wird es einfach als besonderes, schonender, ruhiger Bereich erwähnt, der eben den Kindern besondere Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Und als was Positives, aber so wie das zumindest damals sich so angefühlt hat, ist das auf jeden Fall irgendwie eine Abwertung gewesen, vom Gefühl her. für mich, ich kann jetzt ja nur über mich sprechen und ich habe auch noch einen guten alten Freund und der hat es da auch in der kleinen Klasse, aber eben von der ersten bis zur vierten Klasse und der erwähnte eben, dass er sich auch als Kleinklassenschüler auch oft klein gefühlt hat. Also ja. Ja, weil das wäre nämlich meine nächste Frage gewesen. Du bist ja von der Grundschule dann auf die Waldorfschule gewechselt und ob das sozusagen für dich vielleicht auch nochmal anders war als für jemand, der direkt in der ersten Klasse, in der kleinen Klasse startet. Aber das scheint auch denen, die oder zumindest deinem Freund, dem also der diesen Weg gegangen ist, dem war das trotzdem auch in der ersten Klasse schon klar. Ja, das ist einfach sehr deutlich. Also ich habe auch, aber das ist jetzt auch nur so meine persönliche Wahrnehmung, auch das Gefühl, man wird dieses Stigma auch nicht mehr los, selbst wenn man dann irgendwann mal in die große Klasse wechselt, ist das halt ein ehemaliger Kleinklassenschüler oder Schülerin. Also ich glaube, das haftet so ein bisschen wie so ein Label an einem, auch wenn das jetzt keiner so offiziell ausspricht. Aber ja, das genau. Naja, so wie du sagst, alle wissen das sowieso, weil man sich halt kennt, genauso wie man irgendwie immer weiß, welche Geschwisterkinder zusammengehören und irgendwie solche Sachen. Und auch bei uns war das so, dass Kinder, die einmal gemobbt wurden, kamen da eigentlich nie raus. Kinder, die irgendwie einen Ruf hatten, so oder so rum, oder einfach auch nur ich, was jetzt relativ harmlos ist, ja, dass ich die Schusselliese war, das bin ich nie wieder losgeworden. Alle 13 Jahre nicht. Und war im Studium dann völlig platt, als jemand irgendwann mal so ganz locker sagt, ja, frag doch mal Lea, die hat immer alles dabei. Und ich dachte so, ja. Also, ja, das ist natürlich sozusagen, glaube ich, was dadurch, dass es so lange immer die gleiche Zusammensetzung ist, wenn man da auch wenig Chancen hat. Ja, und die Lehre einen halt auch massiv einordnen, ne? Also durch diese ganze übergeordnete esoterische Temperamentenlehre und so weiter Da ist man da ja auch ganz klar in verschiedene eingekategorisiert. Da kommt man auch nicht mehr raus. Ja, das ist so was, das habe ich als Kind ja nicht gewusst, dass die das machen. Weil das sagt einem ja erstmal keiner. Also manche wissen ihre zugeordneten Temperamente dann, weil das bei denen über die Eurythmie-Kittel oder so war. Aber auch da ist es nicht so, dass jemand kommt und sagt, hier, du kriegst einen roten Eurythmie-Kittel, weil du bist nämlich Choleriker oder Plegmatiker oder weiß der gar nicht, ich weiß gar nicht, ob die das Gegengleich machen oder nicht. Sondern man kriegt den Halt, weil man den kriegt und ohne Erklärung dazu. Aber jetzt im Nachhinein denke ich, dass du da recht haben kannst, dass das auch auf jeden Fall damit reinspielt, dass ja auch die Lehrkräfte in so Kinderbesprechungen oder so ihre Kategorisierungen an Temperamenten und anderen Dingen ja auch miteinander abgleichen Und auch nicht einfach verwerfen und sagen, ach wir haben uns geirrt, das ist doch ein anderes Kind. Sondern das, glaube ich, bleibt sehr konsistent dann auch einfach in der Außenwahrnehmung von einem selber als Kind. Vor allen Dingen ist man dadurch halt so gefangen. Also egal, man jetzt weiß, wie die einen einordnen, man merkt halt, man ist eingeordnet und man kann sich da nicht wehren. Also man ist halt einfach, wie soll ich das sagen, wenn man jetzt zum Beispiel ein Mobbing-Opfer ist oder so, wenn man gemobbt wird und man sagt dann hier, da bin ich, das ist so und so gelaufen und ich brauche hier Hilfe und Unterstützung. Wenn du aber eingeordnet bist, von wegen, ist ja eh immer irgendwie, weiß ich nicht, super emotional und keine Ahnung, Also dann nimmt einen da ja keiner mehr ernst. Dann wird einem ja auch nicht geholfen. Dann wird einfach gesagt, die reagiert halt immer irgendwie über und ist ja eh so ein bisschen komisch. Und dann wird da einfach gar nichts mehr getan. Dann wird nicht mehr auf das Problem geguckt, sondern nur noch, die muss sich jetzt einfach noch ein bisschen entwickeln in ihrer Reife. Und das muss man vielleicht einfach laufen lassen. Also dadurch wird man ja auch nicht wirklich im Endeffekt tatsächlich ernst genommen und tatsächlich einem auch wirklich geholfen. Und ich habe das sehr gemerkt, wie so eine gläserne Decke, also dieses Feststecken in der Kleinklasse, wo es mir wirklich auch schlecht ging. Und es hört ja de facto keiner wirklich zu und es interessiert auch keiner. Und im Endeffekt bestätigen sie sich gegenseitig ihr Bild, dass sie eh von dir haben. Aber dadurch, dass man es auch nicht weiß, dass das hinter den Kulissen abgeht, weil man wird ja in diese ganzen pädagogischen Sachen und auch die anthroposophischen Sachen in keinster Weise einbezogen, ist man da auch, finde ich, total hilflos, weil man kann es ja auch noch nicht mal benennen oder wirklich durchschauen. Das ist ja echt, also Hilflosigkeit, oder? Ja, genau. Ausgeliefert sein, Hilflosigkeit. Habe ich auch zum Beispiel bei meiner Mutter gemerkt, die sich auch sehr für mich eingesetzt hat. Ja, rennst du gegen Wände, auch als Eltern. Weil, wo willst du da ansetzen? Ich glaube, wir sollten nochmal zurückkommen auf den Anfang. Ich wollte gerade sagen. Ich bin ein bisschen durchgelaufen. Also genau, ich war auf einer normalen Grundschule. Das war auch alles wunderbar. Ich war halt immer so ein bisschen schusselig. Und so ein bisschen, ne, die ganzen Zettel hatten alle Eselsohren. Und irgendwie war die letzte beim Sport. Und so, aber es hat funktioniert. Es war bei uns im Dorf. Es war alles gut. Aber ich war auch nie so ein super angepasstes Kind. Oder hatte auch als Kind nicht so viel oder hatte auch als Kind nicht so viele Freunde, was aber in Ordnung war. Ich hatte eine Freundin und das ging alles ganz gut. Nur der Wechsel dann eben aufs Gymnasium war halt echt ein Problem, weil ich da einfach auch nicht mehr mitgekommen bin. Also ich musste halt, es fing halt an, dass man halt mit dem Bus in die Stadt, in die nächstgrößere Stadt fahren musste, dass man da halt sich in diesem großen Gebäude orientieren musste, dass man irgendwie, es war ja, dass man irgendwie auch relativ schnell viel Stoff, auch gerade in Englisch oder so, bin ich auch nicht mitgekommen und es mir einfach auch nicht gut ging. Und meine Mutter einfach sich überlegt hatte, dass ich wieder mehr Erdung brauche, also mehr anpacken, wirklich mit den Händen was machen, so ein bisschen raus aus dem Kopf war ihre Vorstellung damals und so ein bisschen mehr rein ins Tun und ins Machen. Genau. Ich verstehe den Ansatz und sie hat damals auch wirklich an die damalige, an den damaligen Klassenlehrer der Weidelfschule, ich glaube, super lange Briefe noch geschrieben und so. Also sie musste schon sehr viel Einsatz zeigen, damit ich da überhaupt auch aufgenommen werde in die große fünfte Klasse dort. Ich ordne das heutzutage ein bisschen anders ein, aber ich schildere das jetzt einfach mal so, wie sie das damals, warum sie das damals so entschieden hat, was ich auch nachvollziehen kann. Und dann war es halt so, dass ich dort am ersten oder zweiten oder dritten Tag den Lehrer kritisiert habe, weil der einen Rechtschreibfehler gemacht hat. Ich weiß nicht mehr welchen, aber das hat den völlig aus der Fassung gebracht, damit konnte er überhaupt nicht umgehen. Dann hat er, ja, wenn man das Konzept hat, der Lehrer als Priester und da kommt ein Kind von außen und sagt, hier, Rechtschreibfehler. Und sowas Profiles auch noch. Das war schon mal so der erste Fauxpas und dann ging es auf Klassenfahrt in der fünften Klasse und meine Mutter wollte mir damals was Gutes tun, hat irgendwie englische Weingummis mir mitgegeben. Die hatten ja einen Haufen E-Inhaltsstoffe und so. Damit kam ich da auch gar nicht gut an. Und ich war da halt sehr für mich, weil ich auch einfach gar nicht so Anschluss gefunden habe. Und wurde da dann irgendwie, ja, wurde nach kurzester Zeit, lass es zwei, drei Monate gewesen sein, wurde dann entschieden, dass, ich würde jetzt heute mal sagen, dass der damalige Lehrer der Meinung, also einfach mich in seiner Klasse nicht haben wollte, Punkt. Ja. Ja, und weil es für ihn eben nicht so kompatibel war, ich nicht jemand war, der jetzt einfach so zu handeln war, in dem Sinne, wie er sich das vorstellt, sondern halt meinen eigenen Kopf hatte und eben halt auch unangepasst und eben halt auch nicht so, ja, so kompatibel, würde ich mal sagen. Wie viele wart ihr denn in der großen Klasse? Ich glaube, ich weiß es gar nicht mehr. Sind das nicht immer knapp 40, oder? Ja, knapp 30. Also es ist tatsächlich unterschiedlich. Also wir waren meistens, das ist ja noch Unterstufe, waren wir so zwischen 32 und 38, 39. Ja, ich glaube auch, knapp 40. Ja, weil ich finde, das ist schon manchmal noch ein bisschen, also um so ein Gefühl dafür zu kriegen, eine Lehrkraft dann auch mit Schüler oder mit Kindern, die irgendwie vielleicht einfach mehr Aufmerksamkeit, mehr Unterstützung brauchen in einer Klasse mit knapp 40 Kindern einfach auch nochmal anders gefordert sind und auch alle Epochen immer vorbereiten müssen. Also ich will den Lehrern in keiner Weise in Schutz nehmen, aber es ist aus meiner Sicht durchaus Das ist durchaus ein konzeptionelles Problem, dass man von Lehrkräften erwartet, dass sie das stemmen und dass das einfach für die allermeisten und auch für die allermeisten Klassenzusammensetzungen einfach eine Überforderung ist, dass das so nicht funktionieren kann. Ja, und da ist das Interessante, dass aber genau deswegen, weil das ja zum Beispiel im Gymnasium nicht geklappt hat, Jemanden wie mich, der mehr Unterstützung, vor allem auf dieser emotionalen Ebene braucht, dem zu geben. Deswegen wurde ich ja auf die Waldorfschule gegeben quasi. Und dort gab es das eben auch gar nicht. Man denkt dann, diese mehr Unterstützung eben nicht im kognitiven Bereich, sondern mehr im emotionalen Bereich. Oder genau. Und ich finde es auch interessant, wenn man das historisch anguckt, dass ich glaube schon nach ein, zwei, drei Jahren, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ich meine im zweiten Jahr schon der allerersten Waldorfschule auf der U-Land-Höhe, gab es schon Hilfsklassen. Also schon da, ich meine da waren die Klassen noch größer, da waren das teilweise wohl 50 oder 60 Kinder in so einer Klasse, aber schon da war es so, dass man irgendwie eigentlich festgestellt hat, dass es immer Kinder gibt, die man in dem Konzept nicht richtig irgendwie gehändelt kriegt. Also weder schulisch noch für den Rest der Klasse sozusagen. Und die hat man dann schon rausgenommen. Das heißt, dieses Aussortieren von Kindern, Steiner hat die immer so psychopathische Kinder genannt, das gab es schon von Anfang an. Also das ist nicht etwas, was später erfunden wurde, sondern das war noch zu Steiners Lebzeiten, oder in Zusammenarbeit, ich weiß nicht, ob es jetzt seine Idee war, Aber in Zusammenarbeit mit ihm gab es diese Hilfsklassen schon, diese Kleinklassen. Und es gibt in diesen Konferenzprotokollen immer wieder die Frage, sollen wir den und den jetzt in die Hilfsklasse machen oder nicht oder doch oder nicht und so. Ja, also nach diesen zwei, drei Monaten wurde auch meinen Eltern eben nahegelegt, dass ich wechseln soll in die Kleinklasse. Und um es ihnen attraktiver zu machen, behaupte ich jetzt einfach mal, wurde halt behauptet, dass ich trotzdem Abitur machen kann. Und das stimmt einfach nicht, weil in der Kleinklasse hatten wir damals nur eine Fremdsprache und mit nur einer Fremdsprache kann man kein Abitur machen. Anwalt am Schönen. Ja, und man braucht ja auch allgemein eine gewisse Jahresanzahl, zumindest war es bei uns damals so, auch in meinem Bundesland, man braucht eine gewisse Jahreszahl, auch einfach zwei Fremdsprachen, um überhaupt zum Abitur zugelassen zu werden. muss man einfach gehabt haben. Und das heißt, es war, stimmte einfach nicht. Und es gab für mich in dieser kleinen Klasse war auch das Lernniveau einfach sehr niedrig. Also wir haben im Endeffekt von der Tafel abgeschrieben, mehr oder weniger, die ganze Zeit geführt. Wie viel wart ihr denn in der kleinen Klasse? Ich würde sagen, knapp 20. Was ja die Größe einer normalen Schulklasse heutzutage wäre an normalen Grundschulen. Zum Teil sind die ja auch größer. Also genau, es waren knapp 20 und es war einfach geistig wirklich sehr, sehr, sehr niedrig das Niveau. Also das war für mich auch nicht gut. Du hast dich dann gelangweilt, oder? Ja, absolut gelangweilt. Ich würde auch sagen, dass mein Englisch auch dadurch bis heute eigentlich schlechter ist, weil Weil so viel Grammatik zum Teil wiederholt wurde und noch mal und noch mal und noch mal, dass ich dann irgendwann manche Sachen irgendwie ganz häufig mitgekriegt habe und andere irgendwie gar nicht. Und ich habe das Gefühl, da irgendwie auch so dieser Zugang zu der Sprache so ein bisschen verloren gegangen ist irgendwie. Das heißt, für dich war relativ schnell klar, dass es dir da in der kleinen Klasse nicht besser geht. Nee, genau. Vor allen Dingen emotional und sozial halt nicht, weil das ist ja quasi die Klasse, wo auch viele Kinder mit verschiedenen Auffälligkeiten im Verhalten auch eben waren und dadurch, dass ich schon immer so ein bisschen ja, nicht so, also schon ein bisschen aufgefallen bin und vor allen Dingen auch nichts hab auf mir sitzen lassen. Also das heißt, irgendjemand hat irgendwas gesagt und dann bin ich halt immer darauf eingestiegen Und dadurch hat sich das halt immer hochgeschaukelt. Und dadurch hatte ich halt einfach superviele Konflikte die ganze Zeit. Ich war eigentlich nur damit beschäftigt, mit diesen Konflikten klarzukommen. Also, ich hab halt auch ne Sprache benutzt, die die anderen Kinder nicht benutzt haben. Hab einfach Fremdwörter benutzt, die sie nicht kannten oder die sie komisch fanden. Und... Da gabs immer Konflikte. Also, mit den anderen Mädels eher auf der so... Ja, so psychisch und mit den Jungs körperlich. Also ich bin zum Teil wirklich mit Bandagen in die Schule gegangen, damit ein Tritt gegen das Schienbein nicht so wehtut. Krass. Oder Schneeballschlachten irgendwie weggerannt, um irgendwie diesem Schnee zu entkommen und so. Wir hatten einen Lehrer damals, der hatte einen ziemlich guten Ruf. Der war sehr beliebt, aber der hat auch immer nett gelächelt. aber der hat halt nichts getan. Also der hatte kein Standing in gewisser Weise. Der war so passiv lächelnd, aber da kam halt nicht viel Unterstützung. Und meine Mutter hat damals auch echt Telefonate geführt mit den anderen Eltern. Aber das hat auch alles nicht viel gebracht. Und ich weiß noch, dass ich jahrelang auch wirklich so dieses Alter 13 deswegen auch so mit am schlimmsten fand. Weil dieses Ausgeliefertsein und so ... ja ... irgendwie unbeliebt sein, aber da auch nicht rauskommen können und irgendwie geistig halt unterfordert sein. Klar, es gab auch positive Seiten, zum Beispiel hatten wir Gartenbau. Da hab ich dann auch selber zu Hause angefangen, Hochbeet anzulegen und auch zu gärtnern. Und hab dann auch später ... eben auch in Werken einige schöne Dinge ausprobiert. Ich habe viel Klarinette gespielt und musiziert. Ich hatte vor allem Klarinettenunterricht zu Hause. Da gab es Ausflüchte, die mir auch gut getan haben. Genau. Das Interessante ist, dass ich erst aus der Kleinklasse rauskam, als ich nicht mehr auf diese ganzen Dinge angesprochen bin. Also auf diese ganzen... Ja... Also ich bin da nicht mehr darauf angesprungen auf diese ganzen Mobbing Geschichten der Mitschüler*innen, sondern habe einfach nicht mehr ständig was erwidert, sondern bin dann halt ruhig geblieben und ich hatte im Endeffekt einfach kapituliert. Und in dem Moment, wo das der Fall war, da hieß es dann, ah ja jetzt ist es reif für die große Klasse und da ich nicht zurück in die parallel große Klasse konnte, weil er ja der Lehrer war, der mich nicht mochte, bin ich dann eine Stufe hoch gesprungen, quasi. Da war der Klassenlehrer dann Ende Achte, da war dann nur noch das Klassenspiel und ein bisschen was. Und dann ab der 9. ist ja auf der Waldorfschule dann die Oberstufe, wo man eben nicht mehr diesen Klassenlehrer hat, sondern Fachlehrer hat. Und da ging es mir dann wieder gut, weil da konnte man auch im Unterricht, hatten wir Gerade in Deutsch und Geschichte hatten wir einen Lehrer, der viel diskutiert hat mit uns und auch zum Beispiel Faust auch wirklich durchdiskutiert hat. Und das war dann wieder meine Welt. Also da war ich zwar auch nicht beliebt, aber da habe ich so mein Ding für mich gemacht und mir meine Nischen gesucht und hatte vor allen Dingen meine Ruhe. Aber was ich krass finde, ist, dass jetzt, wenn man sich das von außen so anguckt, Also da ist ein Kind, das irgendwie, obwohl du hattest leistungsmäßig keine Probleme in der Großklasse, aber trotzdem wurdest du irgendwie dann in die Kleinklasse geschickt, wo du sagst, das Niveau war deutlich niedriger und dann durftest du aber wiederum eine Klasse überspringen. Also wie man sich sozusagen aus Lehrersicht irgendwie das denkt, dass das irgendwie sinnvoll ist. Also ich meine, das war ja schlussendlich eigentlich eine Entscheidung, die mit der Persönlichkeit des Lehrers der Parallelklasse zu tun hatte und eigentlich weniger mit deinen Fähigkeiten, oder? Ja, genau. Also der Lehrer aus der Klasse über mir, der war einfach bereit, mich aufzunehmen. Und der Lehrer aus der Parallelklasse war eben nicht bereit, mich aufzunehmen. Genau. Und deswegen hatte ich dann in der neunten auch, oder genau, als ich dann neu war in der Klasse auch Mathe-Nachhilfe und hätte es einfach auch vom Leistungsniveau nicht mehr geschafft, dann auch Französisch dann noch nachzuholen, weil ich einfach genug zu tun hatte. Nein, dir fehlt ja ein Jahr. Nee, mehr. Also, weil das ist von der Kleinklasse... Ja, anderthalb sozusagen. Das ging aber, wie gesagt, mit Mathe musste ich Nachhilfe nehmen und in Englisch, weiß ich auch nicht, war ich dann auch nicht so gut. Aber ich konnte vor allen Dingen eben kein Französisch mehr nehmen. Das hätte mich überfordert. Und dann, wenn die anderen Französisch hatten, hatte ich immer Werken. Das heißt, wenn wir noch Werkepoche hatten, hatte ich, Ich weiß nicht, zehn, zwölf Stunden die Woche werken. Das sind viel Werken. [lacht] Naja, mir ist gerade noch mal aufgefallen, wenn man so ein Jahr in der Waldorfschule verpasst, dann hat man natürlich irgendwie die einzige Bio-Epoche und die einzige Chemie-Epoche. Und so dann in der siebten, du bist dann die siebte gesprungen sozusagen. Die achte habe ich quasi. Ich war quasi noch in der siebten und bin dann im Jahr in die achte gekommen. Und dann mit allen gemeinsam in die neunte. Und was ich so als Vermutung hatte, ist, dass gerade auch in den naturwissenschaftlichen Epochen vieles gar nicht wirklich aufeinander aufbaut. Vielleicht im Bio noch am ehesten, aber dass das eher so geschlossene Themengebiete sind. Und wenn man da eine Epoche verpasst hat, dann fällt das nicht unbedingt in der nächsten Epoche auf, weil die sich mit etwas ganz anderem beschäftigt. Genau. Meine Schullaufbahn geht ja noch weiter. Der Weihnachtsschulabschluss ist ja nach der 12. der Realschulabschluss. Da habe ich auch den besten des Jahrgangs gemacht. Man muss dazu sagen, die, die sowieso Abitur machen, die haben gar keinen Realschulabschluss gemacht. Klar war, die schaffen das Abitur. Aber von allen denen, die den Realschulabschluss gemacht haben, habe ich den besten gemacht. Und dann bin ich drei Jahre, bei uns hieß das Fachgymnasium, und hab dann quasi die Elfte und Zwölfte, also auf der Weihnachtsschule gemacht und dann nochmal auf dem Fachgymnasium und hab dann Abitur gemacht. Und deswegen finde ich das auch... Vielleicht nochmal zur Einordnung für diejenigen, die das so nicht kennen, wie das funktioniert, dass die Zulassung auf einem Gymnasium oder einer Berufsfachschule geht halt dann sozusagen mit Realschulabschluss oder MSA heute oder mittlerer Schulabschluss, wie auch immer das heißt. Und dann fängt man ja an, schon Punkte auch fürs Abi zu sammeln und Kurse zu wählen und so. Das heißt aber, wenn man den Realschulabschluss, den man normalerweise in der 10. macht, an der Waldorfschule nach der 12. abgelegt hat, muss man halt dann wieder, weil die anderen den nach der 10. haben, in die 11. zurück, um dann da auch wieder im Kurssystem weiterzumachen und die Punkte zu sammeln. Das heißt, ja, man muss dann auf jeden Fall nochmal wieder zurück. Genau, zwei Jahre, was in meinem Fall jetzt nicht so schlimm war, weil ich hatte ja eine Klasse übersprungen, was ich unter normalen Umständen auch nicht gemacht hätte. Von daher war es wie, als wenn man einmal sitzen geblieben wäre. Also alles okay. Ich finde halt den Vergleich auch noch super spannend. 11./12. Weidorfschule und eben Nachgymnasium, weil ich festgestellt habe, genau an diesen Naturwissenschaften war ich extrem zurück. Ich glaube, dazu kommt auch, dass es mir auch nicht liegt. Also dieses Naturwissenschaftliche und dann noch wirklich wenig Bildung in dem Bereich. Da hatte ich auch Ernährungslehre mit Chemie und so. Das war schon echt eine Herausforderung. Ich hatte auch gar nicht alle naturwissenschaftlichen Fächer dort, weil das ein Abitur mit einer bestimmten Fachrichtung war, in Gesundheit und Soziales. Das heißt, ich hatte Chemie, Ernährungslehre mit Chemie und Gesundheit, das so ein bisschen Richtung Medizin geht. Das war schon auch eine Herausforderung, da hatte ich wirklich sehr sehr wenig Vorbildung vor allen Dingen in Chemie. In anderen Fächern wiederum, also gerade Deutsch, Geschichte, gerade wenn ich vergleiche wie wir Faust behandelt haben, haben wir das an der Waldorfschule viel gründlicher gemacht. Wir haben viel mehr reflektiert, viel mehr drüber diskutiert, uns damit wirklich auch in der Tiefe auseinandergesetzt, als das jetzt an dem an dem Fachgymnasium der Fall war. Da war das viel oberflächlicher. Genauso auch mit der Kurvendiskussion in Mathematik. Wir haben die in der Waldorfschule wirklich besprochen, warum das so ist und warum das so funktioniert. Wir haben das wirklich versucht herzuleiten und so weiter. Und am Fachgymnasium war das vielmehr einfach nur eine Abarbeitung. Genau, also ich würde schon sagen, dass ich die Oberstufenzeit an der Waldorfschule schon auch so für mich rückblickend auch positiv war. Ganz im Gegensatz aber eben dazu die Kleinklassenzeit in der Mittelstufenzeit. Dazu muss man wohl sagen, die Mittelstufenzeit an der Weidorfschule ist eben fünfte bis achte und Oberstufe ist neunte bis zwölfte. Und deine Mittelstufenzeit war sozusagen dann noch mal ein Jahr kürzer. Ja, zum Glück. Genau. Hattest du denn, Nachdem du wiederum gewechselt bist mit Kindern oder Jugendlichen, waren es ja dann schon aus deiner alten Klasse noch Kontakt? Ja, genau. Eigentlich warst du ja in drei verschiedenen Klassen. Gab es da dann irgendwie Kontakte zu den anderen? Also ich hatte zu der einen aus der kleinen Klasse bis heute Kontakt. Wir waren auch Trauzeugen und hatten eine lange Freundschaft, die sich vor allen Dingen auch noch intensiviert hat nach der Schulzeit. Mit der einen schon. >> Weil das ist ja dann, wenn alle immer genau wissen, wer in welche Klasse geht und mit wem man was zu tun hat, ist das ja manchmal, finde ich, auch gar nicht so einfach, diese Grenzen zu überschreiten sozusagen, also eine Klasse zu wechseln. Ja, ich würde auch sagen, ich hatte gar nicht so viel mit ihr auf dem Schulhof zu tun, sondern eher sogar dann wirklich stärker geworden ist das, glaube ich, wirklich als wir dann unsere Zeit an der Waldorfschule auch beendet haben und sie dann ihre Ausbildung gemacht hat und so. Genau. Ja. Hast du mal, oder hast du selber ein Gefühl dafür, ob deine Eltern oder deine Mutter das irgendwie anders entschieden hätten, wenn sie vorher die korrekten Informationen gehabt hätten? Ja, ich denke schon. Also das mit dem Abitur, also gerade mein Vater hat das auch ein paar Mal noch erwähnt, dass sie das schon echt auch eine Frechheit fanden, dass sie das eben nicht wussten, dass man da eben kein Abitur machen kann. Ich würde auch heutzutage, heutzutage würde ich auch sagen, dass es nicht richtig ist, ein Kind, das geistig relativ fit ist, aber ich sag mal so eben schusselig ist und irgendwie mehr Zuspruch braucht und mehr, ein bisschen mehr Zuwendung braucht und vielleicht auch mit diesem ganzen sich schnell verläuft und all diese Dinge. Ich denke nicht, dass es richtig ist, dem Kind sozusagen das Geistige oder das das intellektuelle dann zu nehmen ja ich glaube das war Ein bisschen anders zu sagen wenn man nimmt das damit man das kind mehr erdet und ich glaube also das ist finde ich mittlerweile Den falschen ansatz ich denke man muss man muss trotzdem im futter geben also dass man Dass dass ich hätte einfach futter gebraucht dass ich mich trotzdem weiterbilden kann und so und trotzdem natürlich auch das gegengewicht dass man sagt Okay, jetzt mehr in bald oder mehr oder künstlerisches, aber nicht das, wo man eigentlich gut ist und wo man eigentlich auch ein Talent hat, zum Beispiel sich mit Dingen auseinanderzusetzen oder die zu hinterfragen oder mal kritisch zu beleuchten. Wenn das immer als Schwäche ausgelegt wird oder als störend oder so, wie das ja dann auch in der Kleinklasse war, schwächt man das Kind eigentlich damit, finde ich. Ja, ich habe mich da auch lange gewundert und habe jetzt noch mal mehr herausgefunden, dass der Ansatz aus der Anthroposophie sozusagen immer ist, dass man keine Einseitigkeiten entwickelt, sondern dass man immer möglichst harmonisch sein soll. Das heißt, wenn ein Kind sich intellektuell, und ich bin eigentlich auch so ein intellektuell interessiertes Kind, sich total irgendwie da gerne Futter holt und das total gerne davon mehr hätte, dann macht man das absichtlich nicht, weil das diese Einseitigkeit fördern würde. Und dann versucht man eigentlich genau dieses Kind, da wo es seine Stärken hat, ins Leere laufen zu lassen und dafür die anderen, also das Körperliche, also so mit Eurythmie und Handwerk und das Musikalische und so weiter, das dann zu pushen. Und bei mir und bei dir denke ich auch, war das Musikalische auch was, was irgendwie gut und wichtig war. Aber das ist ja auch nicht bei allen Kindern so. Also nur, weil man jetzt sozusagen, ja, also die Stärken sind ja unterschiedlich irgendwie bei Kindern veranlagt. Und ich finde diese Idee, dass man die Stärken absichtlich nicht stärkt, finde ich aus heutiger Sicht total absurd. Weil das ja tatsächlich so, wie du sagst, wenn man wenigstens weiß, das kann ich, das macht mir Freude, da läuft was, dann hat man da ja auch ein ganz anderes Selbstbewusstsein oder eine Sicherheit, auch mit den anderen Dingen, die irgendwie schwierig sind, auch umzugehen irgendwie. Oder zu sagen, okay, das fällt mir schwer, aber da kann ich Dinge gut. Ja, und wenn man dann das so labelt, ja, die ist halt verkopft und ja, verkopft, nicht immer so kritisch und und dann eben die anderen Kinder auf den Zug aufspringen, weil sie einfach auch da gar nicht mitkommen bei den Fremdwörtern und bei dem, was man sagt, und dann man dadurch einfach nur noch klein gemacht wird und gehänselt wird, dann geht es halt total nach hinten los und damit schwächt man halt das Selbstbewusstsein so super stark. Naja, und da sind ja, finde ich, gerade sowas wie die Zeugnissprüche auch schon prädestiniert dafür, also dass man irgendwie vor der ganzen Klasse immer den, zwar poetisch, verbrämt, aber den Hinweis der Lehrkraft kriegt irgendwie, wo man so seine Baustellen hat und was man jetzt irgendwie wachsen soll. Genau, und deswegen ist dieses angeblich heimelige, gerade in diesen kleinen Klassen, das finde ich einfach ganz, ganz wichtig, dass man das, ich kann natürlich nicht darüber sprechen, wie es heute im Detail ist, weil ich das nicht weiß. Aber ich weiß, dass es damals für uns wirklich eben nicht heimelig war und nicht irgendwie ein geschützter Raum und so, sondern ganz im Gegenteil. Was ich noch mal krass finde, ist irgendwie, dass du gesagt hast, also ich meine, wir haben eine Kleinklasse, wo alle wissen, dass das Kinder sind, die halt aus einem Grund in der Kleinklasse und nicht in der Großklasse sind, weil sie, warum auch immer, scheinbar überfordert sind mit dem, was in der Großklasse irgendwie passiert. Und dann aber so Sachen, wie die du geschildert hast, mit irgendwie Gewalt und Mobbing, da müsste man doch dann, wenn man vorher schon weiß, dass das die Kinder sind, die in der Großklasse nicht zurechtkommen, dann da ein besonderes Augenmerk drauf haben. Aber du hast gesagt, das würde bei euch auch total laufen gelassen. Genau. Deswegen ist es mir auch wichtig, darüber noch mal zu sprechen. weil die Klassengröße zu reduzieren, ist halt nicht die alleinige Lösung, sondern man muss halt dann auch wirklich da hinterher sein. Also, weil du ja auch meintest oder auch schon mal gepostet hast auf Instagram, dass es vielleicht auch ein Problem ist, dass es einfach 40 Kinder sind und dass man da nicht mehr den Einzelnen gerecht werden kann. Ich denke, da ist aber auch ein Problem, wenn du eben 20 Kinder hast und da eben auch nicht im Detail raufguckst und vor allen Dingen auch nicht adäquat reagierst und dem auch Einhaltgebiet ist, dann ringt es auch nicht so viel, dass es kleine Klassen sind. Dann hast du immer noch die und vor allen Dingen dann ja noch viel extremer, die, die eben sehr laut sind, die eben sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchen und da fallen gerade andere auch runter. Das habe ich eben auch beobachtet, dass die, die wirklich auch Lernschwierigkeiten hatten, aber eher leise Mädchen waren, die sind auch komplett hinten runter gefallen. Das ist ganz klar. Wie ging es denn dann sozusagen weiter? Oder als du dann aus der Schule raus bist, wie hast du dann sozusagen auf deine Schulzeit dann so zurückgeblickt? Oder wie hast du das dann für dich, was hast du da mitgenommen? Ja, also ich hatte, also es war halt so, als ich noch in der kleinen Klasse war, hätte ich ja auch die Schule wechseln können. Ich hätte ja auch sagen können, Ich gehe einfach auf eine Realschule oder auf irgendeine andere Schule. Aber diese Wechsel haben mir so viel ausgemacht, immer wieder neu zu sein. Gerade in diese Klassenverbände, die eben schon lange bestehen, reinzukommen. Da hatte ich echt Angst vor. Und trotz allem hatte mir auch diese Waldorfschule, die ich auch einfach gut kannte, die Räume, der Geruch, die Lehrer, alles, die Schüler... Ich habe mich da auch gar nicht raus getraut. Also ich habe mich gar nicht getraut, wirklich in eine andere Schule zu gehen. Und als ich dann sozusagen nach dieser Oberstufenzeit, ging es mir ja dann auch besser, dann bin ich eher aufs Fachgymnasium und habe da eine Freundin, die habe ich bis heute auch. Die kommt aus einem ganz anderen Milieu auch als ich und die hat mich so geerdet irgendwie. Die hat mir so klar gemacht, dass bei uns noch nicht viel diskutiert wird, weil immer alle dachten, wir streiten. Aber die hat mir auch klargemacht, dass so Sachen wie Aldi oder Fernsehen am Nachmittag oder so nicht per se total schlimm sind, sondern dass das ganz normal ist und dass das auch alles okay ist. Und hat mich da so ein bisschen wieder auf den Boden zurückgeholt. Und noch stärker war Dann war es dann, als ich nach der Schulzeit noch ein freiwilliges soziales Jahr gemacht habe. Danach bin ich für das Studium auch ans andere Ende von Deutschland gezogen. Da habe ich im Kultur- und Medienbereich ein Studium gemacht. Da hat sich auch der Kulturbegriff nochmal komplett geweitet. dass man wirklich sieht, okay, es gibt viele, viele, viele Dinge, die irgendwie im Waldorf-Bereich ein bisschen verpönt sind, komisch sind, die aber eigentlich gar nicht komisch sein müssen oder gar nicht schwierig sind. Also die Abwertung von Popkultur. Abwertung von Popkultur, genau. Da habe ich jetzt einfach gemerkt, okay, nee, das ist ganz toll, da können Jugendliche oder auch Erwachsene selber ein Projekt machen, ein Radioprojekt. oder einen kleinen Film schneiden, das ist alles wunderbar. Es ist auch toll, wenn man als DJ arbeitet oder sich ausprobiert. Das ist nicht weniger wert, als wenn man jetzt Musikinstrument spielt, sondern das ist alles gleichwertig. Das habe ich dort einfach nochmal viel bewusster gelernt und auch gemerkt, dass ich doch vorher sehr engstirnig war gar nicht so gemerkt habe. Ja, genau. Wie kam das denn dann schlussendlich? Also ich meine, jetzt reden wir hier zusammen und du äußerst dich kritisch über Waldorfschule. Wie kam das? Also, dass du tatsächlich irgendwie jetzt das Bedürfnis hattest, das zu erzählen? Also ich habe die Waldorfschule, glaube ich, schon sehr, sehr lange auch immer kritisch gesehen. Aber so auf so einer, vor allen Dingen eben auch in aller Erinnerung, dass ich das so lange nicht mehr gesehen habe. Ich habe das so lange nicht mehr gesehen. Vor allen Dingen eben auch in allererster Linie habe ich die Kleinklassen immer sehr schwierig gesehen, weil ich ja eben bei mir und auch eben bei diesem guten Freund eben beobachten konnte, was das so auch für Folgen hatte. Und eben halt auch genau bei diesem guten Freund, der hatte halt auch eine starke Legasthenie, Lese-Recht-Schreib-Schwäche und der hat in diesen vier Jahren gar nicht lesen und schreiben gelernt und hatte auch keine Unterstützung weiter gefunden. Und das Problem, was er dann eben auch gesehen hat, ist, dass es diese Wechsel von, dass man so abhängig ist von seinem Lehrer, also von seiner Lehrerin. Und wenn die den Förderbedarf nicht sieht und wenn diese Person eben nicht darin unterstützt, dann ist man dem, dann wird eben nichts getan. Und dann, also dieses Gefühl von hängen gelassen werden und so. Ich denke, das haben wir alle beide einfach auch sehr stark erlebt. Das war einfach schon ein Grund, was ich immer als schwierig gesehen habe, diese Abhängigkeit von den Lehrern. Und ich hatte auch immer eher so ein emotionales Problem mit Waldorf. Also ich hatte zum Beispiel, als wir uns dann bei unserer Tochter, bei unserer großen Tochter, es darum geht, wo die geboren wird, hatten wir uns halt für ein Geburtshaus entschieden, die auch wieder so gewisse Anleihen an Weidorf oder an Anthroposophie und uns empfohlen haben, dann eben falls es Probleme gibt, ins anthroposophische Krankenhaus zu gehen. Da war für mich klar, das mache ich auf gar keinen Fall, weil ich mich da einfach nicht wohl fühle und auch nicht sicher fühle. Geht für mich nicht und wir haben dann eben halt auch uns dann für den Notfall eben für ein städtisches Krankenhaus entschieden, das nicht so viel Intervention macht. Genau. Und das war aber immer eher so eine emotionale. Also ich hatte schon sehr sehr lange ein emotionales Problem mit der mit der Waldorfschulschule und dann wirklich aber auch die Auseinandersetzung mit den Theorien und so weiter und das kam jetzt im Grunde auch eigentlich auch durch dich vor allen Dingen, weil du hast dich ja sehr sehr viel damit auseinandergesetzt auf Instagram und davon habe ich doch sehr profitiert, weil ich das glaube ich auch so mit von Anfang an einfach so mitbekommen habe, diese Auseinandersetzung. Und ich dazu parallel mich dann eben nicht in der Tiefe, aber dann doch auch immer wieder sehr viel mitnehmen konnte, warum die Dinge so sind, also die ganzen Hintergründe viel besser verstehen konnte. Ja, sonst denkt man immer erst mal, es lag an dem Lehrer, oder es lag an... Oder eben an der Kleinklasse. Also mir war zum Beispiel lange gar nicht klar, dass man auch in großen Klassen von der Tafel abgeschrieben hat. Das wusste ich überhaupt nicht. Ja, doch, noch und Löcher. Das wäre ein Kleinklassenthema gewesen, weil das war ja in der Oberstufe dann kein Thema mehr. Ja, das stimmt. Ja, das stimmt. Das wird dann deutlich weniger. Ja, ja, das ist wahr. Ja, Ja, interessant. Ja, ich danke dir, Julia, dass du uns erzählt hast, wie es bei dir war. Viel Neues nochmal gelernt, also ich, weil das mit den kleinen Klassen bei uns tatsächlich so, ja, ich das nicht kannte. Ja, vielen Dank auch, dass ich darüber erzählen konnte hier, dass ich da einen Raum haben kann, weil es mir einfach auch wichtig ist, da so ein bisschen Aufklärungsarbeit zu betreiben. Gerade eben auch, dass die Förderung an Waldorfschulen eben nicht immer optimal war. Über die heutige Zeit kann ich im Detail nicht sprechen, weil ich nicht drin bin, aber ich weiß, dass es auf jeden Fall in der Vergangenheit nicht nur für mich, sondern auch für andere einfach auch schwierig war und eben dort die Förderung, die man gebraucht hätte, eben nicht bekommen hat, auch in den kleinen Klassen nicht. Genau, das hätte ich dich jetzt als nächstes fragen wollen. Was ist so das, was du mitgeben willst, was so dein Wunsch ist, dass Leute hören? Und das, glaube ich, hast du jetzt gerade schon wirklich gut zusammengefasst. Ein Aspekt, der mir jetzt bei dem Gespräch noch aufgefallen ist, ist, dass es doch relativ viel darum ging, auch was ist mit Geborgenheit oder mit Ruhe oder so gemeint? Und wie wird das dann auf der anderen Seite irgendwie erlebt? Also diese Diskrepanz dazu, das finde ich, auch die Räume und die Räumlichkeiten oft auch so aussehen und das auch immer so beschrieben wird. Die Kinder kriegen mehr Hülle und mehr Struktur und dies und jenes. Und dass das aber im Erleben von uns oft gar nicht so war. Genau, also eine Freundin von mir, die jetzt auch noch ein Kind auf der Weihnachtsschule hat, auf der ich damals war, meinte auch, dass die da wohl Küchen haben in den Kleinklassen und dass das wohl auch wegen der stärkeren Geborgenheit und so sei. Und ja. Ja, und die Geborgenheit kommt halt nicht durch die Küche, sondern dadurch, dass du dich sicher fühlst. Und wenn man irgendwie Gewalt und Mobbing laufen lässt, dann hilft halt so eine Küche im Raum auch nichts. Genau. Also wir müssen natürlich dazu sagen, dass wir das nicht wissen, wie das heute der Fall ist. Aber so war das zumindest damals für mich gefühlt. Ja, ich glaube, was mich da immer so ein bisschen piekst, ist, dass ich das Gefühl habe, und vielleicht war das auch mit deinen Anliegen, dass das alles immer so gut aussieht. Also, dass man Eltern wirklich total gut und scheinbar optisch plausibel darlegen kann, wieso das eine gute Entscheidung ist. Und dass dann sich in der gelebten Realität gelebten Realität gar nicht so unbedingt so abbildet, wie es irgendwie versprochen und erzählt wird. Und gleichzeitig der Ausstieg wiederum auch nicht so einfach ist. Vor allem auch emotional nicht. Man hat ja diese Philosophie oder diese Anthroposophie oder diese Esoterik, ja irgendwie nimmt man die ja auch mit auf und ist ja auch der Meinung, man hat es hier am besten. Selbst wenn es einem de facto nicht gut geht, denkt man, woanders kann es nicht schlimmer sein. Es kann nur nach hinten losgehen. Und dadurch ist auch dieses Ohnmachtsgefühl einfach nochmal viel stärker, weil man nicht weiß, wo man denn sonst hin soll. Und dann halt nur so komische Konstrukte, wie man überspringt, eine Klasse irgendwie bleibt. Wenn man denn die richtigen Lehrer hat, die an einen glauben und die einem irgendwie eine Chance geben, wenn man das große Glück hat. Und ansonsten ist man da einfach ausgeliefert. Ja. Ja, dann danke ich dir, liebe Julia. Und ja, ich bin gespannt, wie das dann sowohl bei dir als auch bei mir dann auch für unsere Kinder wird, die wir ja dann auch in ihrem Schulweg irgendwie begleiten. Also wenn mich das jetzt auch noch mal irgendwie berührt hat, dass natürlich deine Eltern einfach auch natürlich das Beste für dich wollten und das versucht haben, gut zu entscheiden für dich, genauso wie wir versuchen werden, das gut zu entscheiden für unsere Kinder. Und wenn man da nicht rein Wein eingeschenkt kriegt, dass das dann schwierig ist. Zumal es damals noch viel schwieriger war ohne Internet. Ja, das stimmt. Genau. Insofern wünsche ich uns und unseren Kindern irgendwie Glück. Das ist mein Schicksal. Dass wir das gut hinkriegen mit der Schulzeit für unsere Kinder, dass wir sie da als Eltern begleiten können. Vielen Dank für deinen Besuch an der Salatbar. Vielen Dank für die Einladung. Tschüss. [Musik] [Musik]

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