WALDORFSALAT

Der kritische Podcast zur Anthroposophie

Salatbar #5 - Lea trifft Why

11.01.2024 92 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge spricht Lea vom Team Waldorfsalat mit Why. 

Schwerpunkt sind dabei Whys Erfahrungen als Kind in Rollstuhl in einer regulären Waldorfschule in den 2010er Jahren.

 

Zu Why: 

Nach dem Besuch des Waldorfkindergartens wurde Why in die erste Klasse einer Waldorfschule eingeschult und hat diese dann nach der 9. Klasse auf eigenen Wunsch verlassen.

Instagram: @thequeerrollingwhy1312

Mastodon: https://chaos.social/@why

 

Das Salatbar-Format:

An der Salatbar wollen wir die Möglichkeit schaffen, in einem möglichst sicheren Rahmen Kritisches aus der Welt der Anthroposophie zu erzählen. Wir wollen dem Narrativ der Einzelfälle und des persönlichen Versagens etwas entgegensetzen.

Wir wollen das Schweigen brechen und Worte finden. Wir wollen komplexe Gefühle und Wahrnehmungen validieren und vielleicht ein bisschen sortieren. Dabei können emotionale und schwierige Themen zur Sprache kommen. 

Wir bemühen uns darum, unser Material möglichst sicher und zugänglich aufzubereiten, haben selbst aber keine therapeutische Ausbildung, nur begrenzte Kapazitäten und unseren eigenen beschränkten Erfahrungshorizont. 

 

Bitte achtet auf euch. Ist gerade ein guter Zeitpunkt? Könnt ihr gut für euch sorgen und ggf. danach mit jemandem drüber reden? 



Content-Notes:

Allgemein: Ableismus, Machtmissbrauch, Mobbing und Gewalt

Pseudomedizinische Behandlung/Medizinische Vernachlässigung: 9:15 - 18:10

Heileurythmie: 18:10 - 18:20

Lookismus/Physiognomik: 19:20 - 20:20

Heileurythmie & Freiheitsberaubung: 34:35 - 43:10

Nationalsozialistische Symbolik & rechtes Gedankengut: 1:02:00 - 1:02:30 ; 1:07:20 - 1:08:40 ; 1:11:45 - 1:12:10

Gaslighting: 1:02:58 - 1:04:35

Umgang mit Suizidversuch: 1:28:23 - 1:28:50

Kapitelmarken:

  • 00:00:00 Intro
  • 00:00:45 Heimweggedanken
  • 00:03:00 Begrüßung und  Vorstellung 
  • 00:04:15 Thema: Wie hat Why die Waldorfschule als behindertes Kind erlebt? 
  • 00:04:18 Einschulung
  • 00:07:35 1. Klasse
  • 00:09:12 Schularztbesuch in der 1. Klasse
  • 00:18:19 Einteilung nach Temperamenten
  • 00:21:18 Ankommen im Schulalltag mit Assistenz, Pausen, Rhythmischer Teil
  • 00:26:39 2. Klasse: Neue Waldorfassistenz, Befreiung von Eurythmie
  • 00:28:06 3. Klasse: Ackerbau, Handwerker, Hausbau, Unterricht draußen
  • 00:33:18 4. Klasse: Why schafft es die Assistenz los zu werden, 
  • 00:34:36 Heileurythmie
  • 00:43:20 Eurythmie mit Rollstuhl
  • 00:49:03 Klassenspiel Edda in der 4. Klasse, Zeugnissprüche
  • 00:50:00 6./7 Klasse: Klassenfahren (Wanderung und Zelten) 
  • 00:58:59 Strafen
  • 01:01:24 7/8. Klasse: Naziparolen in der Klasse, massives Mobbing 
  • 01:04:01 Schulsozialarbeit
  • 01:06:29 8. Klasse: Klassenspiel, mehr Mobbing und Gefährdung, Unterrichtsverweigerung, Religionsunterricht, Gewalt
  • 01:13:24 9. Klasse: Abschlüsse?, mehr Mobbing, Verabschiedung, Wut
  • 01:16:30 Suche nach neuer Schule und Schulwechsel
  • 01:17:28 Steinerporträts
  • 01:18:24 Anthroposophische Kommentare über Behinderung
  • 01:24:28 Gutes und schlechtes Waldorfkind sein. Umgang mit Mobbing als Kind. Umgang mit Suizidversuch, Normalisierung von eigentlich schockierenden Dingen.
  • 01:30:33 Wunsch von Why, Dank und Abschied.
  • 01:31:15 Outro

 

Beratungsstellen:

Anlaufstellen für Hörer*innen, die nach dem Hören Gesprächsbedarf haben.

 

DEUTSCHLAND

Die Telefon-Seelsorge ist gebührenfrei und rund um die Uhr unter 0800/111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar.

Wer nicht telefonieren möchte, findet auch einen Chat oder kann per Mail kommunizieren: https://online.telefonseelsorge.de

 

Angebot für Erwachsene:

https://www.psychenet.de/de/hilfe-finden/schnelle-hilfe.html

Angebot für Frauen: https://www.hilfetelefon.de/das-hilfetelefon/angebot-im-ueberblick.html

Angebot für Jugendliche:

https://jugendnotmail.berlin

 

ÖSTERREICH

Liste mit verschiedenen Angeboten für verschiedene Zielgruppen

https://www.gewalt-ist-nie-ok.at/de/was-kann-ich-tun-adressen-links

 

Angebot für Jugendliche und auch Eltern - telefonisch, Chat, Online

https://www.rataufdraht.at



SCHWEIZ

Sorgentelefon 143 - Auch Chat und Mailberatung

https://www.143.ch/Beratung/Beratungsangebot

 

Liste mit Anlaufstellen

https://www.lilli.ch/gewalt_schutz



Das Waldorfsalat-Format:
Ein Gast oder eine Gästin mit Expertise, der "Anthroblogger" Oliver Rautenberg als Moderator und zwei #ExWaldi mit Erfahrungen in anthroposophischen Einrichtungen - das sind die Zutaten für unseren Waldorfsalat.
 
Wir möchten uns in diesem Podcast kritisch über Anthroposophie unterhalten. In jeder Folge nehmen wir uns einen anderen Aspekt vor - von der Pädagogik über die Landwirtschaft bis hin zur Medizin und Weltanschauung. 
Wir bringen alle unterschiedliche Motivationen, Vorerfahrungen und Hintergründe mit.
Uns eint der Wunsch nach Aufklärung, die Theorie und Alltagspraxis zusammen bringt.


Allgemeines
Mehr Kritisches über Waldorfpädagogik und Anthroposophie findet ihr auf Twitter, Bluesky und Instagram unter #ExWaldi und #AnthroMeToo. Unter diese beiden Hashtags schreiben   Betroffene in den sozialen Medien über ihre Erfahrungen.
Wir sind gespannt und neugierig auf die kommenden Gespräche.


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Transkript

Herzlich willkommen an unserer Salatbar! Schön, dass ihr bei uns seid. Diese Art hier ist ein bisschen anders als die regulären Folgen vom Waldorfsalat. Hier werdet ihr gleich ein Gespräch zwischen zwei Ex-Waldis erleben und eine Person davon ist aus unserem Team. Bevor es aber auch schon gleich direkt losgeht, nochmal ein Hinweis. Wenn ihr selber Ex-Waldis seid, dann schaut bitte vorher nochmal in die Shownotes und Kapitelmarken. Vielleicht findet ihr da ein paar Inhaltswarnungen. Und wenn es Euch mit dem Thema nicht so gut geht, dann hört einfach nochmal an einen anderen Zeitpunkt rein Zeitpunkt rein oder holt Euch jemanden dazu, mit dem ihr das zusammen anhören könnt. Und wenn ihr keine Ex-Waldis seid, schaut trotzdem mal rein, dann könnt ihr schon mal sehen, was Euch gleich erwartet. Also seid gespannt auf eine ehrliche, zum Teil emotionale und spannende Unterhaltung. Und wenn die Musik gleich vorbei ist, dann geht das auch schon direkt los. Hallo, hier ist Lea mit den Heimweg-Gedanken zu meinem Gespräch mit Y. Ich glaube, das, was mich nach diesem Gespräch an der Salatbar am nachdenklichsten gestimmt hat, war, wie sehr mir vieles bekannt vorkam. Und das, obwohl Y in etwa halb so alt ist wie ich und auf eine andere Waldorfschule in einem anderen Bundesland ging. Ich weiß ja eigentlich, dass Waldorfschulen in vieler Hinsicht der Zeitkapsel sind und unsere Erfahrungen viel weniger individuell, als man uns glauben lässt. Aber das so direkt zu fühlen, das war irgendwie nochmal anders irritierend. Dadurch, dass wir so unter uns gesprochen haben, haben wir ein paar Sachen nicht erklärt. Zum Beispiel, was es mit dem sogenannten rhythmischen Teil auf sich hat. Also, klassischerweise beginnt an Waldorfschulen jeder Tag mit dem sogenannten Hauptunterricht, manchmal auch Epochenunterricht genannt. Dieser besteht aus Morgenspruch, rhythmischem Teil, inhaltlichem Teil und Erzählteil und dauert meist so eine und eine Dreiviertelstunde. Der sogenannte Morgenspruch ist eigentlich ein Gebet von Rudolf Steiner, welches alle an nächtlichem Stehen sprechen. Nach der Aufnahme habe ich übrigens noch nachgefragt und auch Wei musste als Rollstuhl nutzendes Kind jeden Tag für den Morgenspruch stehen. Nach Morgenspruch und Begrüßung kommt dann der besagte rhythmische Teil, in dem je nach Klassenstufe und aktueller Epoche gesungen, rezitiert, geklatscht und gehüpft wird. Also sowohl Zungenbrecher als auch Kopfrechnen, Fingerspiele, Stabreime oder Balladen. Erst danach haben wir uns wieder hingesetzt und der inhaltliche Teil ging los. Abgeschlossen wurde der Unterricht dann mit dem Erzählteil, wo es je nach Klassenstufe z.B. Märchen, Fabeln, Bibelgeschichten, Edda oder Heldensagen zu hören gab. So, ich hoffe, ihr könnt das an der Stelle dann etwas besser einordnen. Außerdem habe ich mich im Gespräch verrechnet. In der sechsten Klasse ist man natürlich 11/12 und am Ende der siebten Klasse ist man 13 und nicht wie von mir behauptet 14/15. Ich möchte auch noch mal darauf hinweisen, dass diese Gespräche für uns oft heftig sind. Auch wenn wir in dem Moment vielleicht aufgeweckt und souverän klingen und manches vielleicht auch weglachen, macht das viel mit uns. Das konzentrierte sich erinnern sowie auch das Veröffentlichen. Und auch für diese Geschichte brauchen wir wieder dicke Content Notes für Ableismus, Mobbing und Gewalt. Besonders nach hinten raus. Sorgt gut für Euch beim Hören. Und damit geht's los. Hallo und willkommen an der Salatbar. Ich bin Lea vom Team Waldorfsalat und sitze heute zusammen mit Y. Kurz zu mir. Ich bin selber im Waldorfkindergarten und in der Waldorfschule gewesen und habe da auch mein Abi gemacht und das war hauptsächlich in den 90er Jahren etwa. Wei ist deutlich jünger als ich und darf sich auch gerne selber kurz vorstellen, was so die Verbindung zu Waldorf ist. Ja, ich bin Wei, ich bin jetzt 20 gerade geworden, bin 2010 eingeschult worden, war auch im Waldorf Kindergarten und in der Waldorfschule bis zur 9. Klasse. Also habe die 9. Klasse noch gemacht und bin dann auf eine normale Realschule gegangen. Und die Waldorfschulzeit war sehr durchwachsen. Und wir wollen heute hauptsächlich über das Thema "Wie ist das als behinderte Schülerin in einer Waldorfschule zu sein? Oder wie hat vor allem Weiders für sich erlebt? Und wir fangen mal einfach bei der ersten Klasse an. Wie war das für dich, oder vielleicht, ja, wie war das für dich, eingeschult zu werden? Du warst ja vorher auf dem Waldorf-Kindergarten, daher war das für dich wahrscheinlich vorher schon klar. Ja, also ich habe eine große Schwester, die ist auch auf die Waldorfschule gegangen, und dann habe ich schon mal eine Einschulung von denen gesehen früher und wusste so, wie das abläuft. Und dann bin ich halt auch in die Schule gekommen und dann saß ich so in diesem riesigen Saal mit ultra vielen Menschen, weil ja auch bei der Einschulung, also jedenfalls war das bei uns so, praktisch noch die ganze Schule noch zuschaut, oder zumindest Leute bis zur 9. Klasse. Und dann wurde da so ein Flötenstück von den Zweitklässler*innen aufgeführt. Und ich fand das alles irgendwie, weiß nicht, ich hab das alles ein bisschen ignoriert. Und ich wurde auch als allererstes aufgerufen, weil ich ein A in meinem Nachnamen hatte. Und ich hab die ganze Zeit nur diese Treppe angeguckt, die auf die Bühne gegangen ist, die kein Geländer hatte und man dann durch diesen Torbogen gehen musste. Und ich hab die ganze Zeit diese Treppe angeguckt und mir die ganze Zeit überlegt, wie ich diese Treppe hochkomme. Ich hatte da schon einen Rollstuhl, aber ich bin halt ohne Rollstuhl eingeschult worden. Und dann wurde ich aufgerufen, und dann bin ich diese Treppe so hochgelaufen. Und es war richtig schlimm und mir war es richtig unangenehm, diese Treppe so hochzulaufen, weil ich halt keine nicht normal Treppe laufen kann. Unter den Augen aller. - Ja, unter den Augen aller. meine Patin, die ich hatte, mir geholfen. Mit Patin meinst du ein anderes Kind aus einer anderen Klasse? Ja, ich glaube, das ist neunte Klasse. Bei uns war es neunte Klasse. Also die waren schon wirklich größer. Und die hat mir dann auch geholfen und hat mir die Sonnenblume auch erst in die Hand gegeben, als ich auf der Bank auf der Bühne saß. Die Sonnenblumen sind in dem Alter ja auch immer fast so groß wie man selber. Ja, die war wirklich riesig. Sie hat gemerkt, dass ich das nicht packe, die noch in der Hand zu haben und damit zu laufen. Und dann wurden alle anderen aufgerufen und ich war ultra ungeduldig. Und dann hat die so ein Märchen vorgelesen, meine Klasselehrerin. Mit irgendwelchen drei Federn von den Brüdern Grimm. Und mir war ultra langweilig. Und dann sind wir ins Klassenzimmer gegangen und haben die Karte und die Krumme gemalt. Ähm, so war meine Einschulung. Mir war es einfach nur unangenehm. Ja. Und es hat auch niemand vorher mit dir besprochen, weil man, ich meine, wenn man vorher weiß, dass man ein Kind in der Klasse haben wird, das Treppensteigen als Herausforderung erlebt, dann würde es ja Sinn machen, sich vorher da was zu überlegen. Also das ist ja jetzt keine Überraschung, die auf einen dazukommt. Also das ist keine Überraschung. Ähm, und ich ... Mit mir persönlich wurde auf jeden Fall nichts besprochen. Ich weiß nicht, ob's mit meinen Eltern besprochen wurde, aber ich glaube nicht. Aber mit mir wurde das nicht beredet. Ich durfte auch ... Also ich bin in der ersten Klasse nicht kontinuierlich mit Rollstuhl in die Schule gegangen. Das hat sich in der zweiten dann geändert. Dann bin ich nur noch mit Rollstuhl in die Schule gegangen. bis zur vierten Klasse, glaube ich, nie mit ins Klassenzimmer nehmen. Ich musste den immer draußen stehen lassen, vor dem Klassenzimmer, weil das das Gesamtbild der Klasse zerstört hat oder so. Ich hab's... So für die Optik der Klassenlehrer. Ja, oder dass das für die anderen Kinder schwierig ist, wenn da ein Rollstuhl mit in der Klasse ist. Weil sie dann daran erinnert werden, dass du im Rollstuhl sitzt. Ja. Dabei sind das wahrscheinlich doch diejenigen gewesen, die eh den ganzen Tag mit dir rumgeturnt sind. Also die wahrscheinlich irgendwie da... Also wir hatten bei uns an der Schule, passiert halt, ne, irgendwie phasenweise Kinder, die wegen irgendwie gebrochenen Beinen oder irgendwie anderen Dingen auch mal im Rollstuhl saßen. Und das war immer so, dass da die Kinder der Klasse irgendwie halt diesen Rollstuhl auch geschoben und irgendwie die Kinder mitgenommen haben. Die wollten auch immer mit meinem Rollstuhl fahren. Also, so ist nichts. Ich hab die auch fahren lassen oft. Und dann, wenn die Eltern von den Kindern das gesehen haben, haben die die immer so grad rausgeschickt und waren so, nein, ich will dich nicht im Rollstuhl sehen. Oh krass. Und das hast du natürlich auch alles gehört. Ich hab das mitbekommen, aber also, ich war so, ich hab das nicht so ganz verstanden damals, aber ich war so, ey, ich find meinen Rollstuhl voll cool. Ich mag meinen Rollstuhl. So, ich war richtig froh, als ich endlich einen Rollstuhl bekommen hatte. Ja. Ähm ... Ja, und dann musste ich halt, ich weiß nicht, ich glaub, das ist Standard, dass man in der ersten Klasse zum Schularzt geht. Auf jeden Fall musste ich dann zu so 'nem Schularzt gehen, und das ist so ein richtiger Andro-Arzt. Und bei dem musste ich dann auf einem Bein stehend ein Bild malen. Und ich hatte ja schon Erfahrungen mit Ärzten und hab ihn dann gefragt, ob er Arzt ist. (Lachen) Okay. Kleine Erstklässlerin. Ich war kein gutes Waldorfkind. Also, ich war kein gutes Waldorfkind. Schon von Anfang an nicht. Und dann musste ich dieses Bild malen auf einem Bein stehend. Und dann meinte ich halt irgendwann zu ihm so, ich kann nicht mehr. Ich will mich hinsetzen. Und dann hat er gesagt, nein, du musst stehen bleiben. "Du musst deine Grenzen kennenlernen." Und dann war ich so, nein. Und dann hat er mir einen Stein in die Hand gegeben und hat gesagt, der gibt dir Kraft. Ja. Und dann hab ich mich irgendwann auf den Boden gesetzt, weil ich nicht mehr konnte. Ja. Und dann hat er mir, als ich rausgegangen bin, noch so einen kleinen Stein gegeben, den ich mitnehmen konnte, Ja. Wie hast du das dann erlebt? Weil ich weiß für mich selber, dass gerade in dem Alter, so erste, zweite, dritte Klasse oder so, diese Erwachsenen waren schon auch irgendwie, ich will nicht komplett sagen, so ehrfurchteinflößend, aber das waren schon irgendwie einfach, also das ist ja anders, wenn man da von jemand gesagt kriegt, der ich sag mal doppelt so groß ist und irgendwie ein mehrfaches so alt wie man selber. Hier, nimm den Stein, der nimmt dir Kram. Hier, nimm den Stein, der nimmt dir Kraft. Und dann fühlt man es vielleicht nicht. Als wenn man das als erwachsener Mensch, also wenn ich jetzt als erwachsener Mensch zu irgendeiner Heilpraktikerin gehe, und dann kriege ich gesagt, hier, nimm mal den Stein. Dann kann man sich ja... Das Einbilden. Ja, oder man kann das auch irgendwie dann einfach sagen, okay, das ist Quark, und ich gehe da nie wieder hin. Und damit hat sich die Sache. Aber als Kind musst du ja auch noch jeden Tag dann wieder in die Schule und wieder in diesen Zusammenhang. Und das finde ich ist schon nochmal irgendwie ein anderes Setting, das da anders wirkt sozusagen. Weißt du, was ich meine? Ja, voll. Also ich weiß auch noch, dass ich das so... Ich habe diesen Stein dann in die Hand genommen, aber das hat halt nichts daran geändert, dass ich nicht mehr konnte. Und ich hab das halt nicht so ganz verstanden, weil ich wusste eigentlich, dass mir dieser Stein ganz sicher keine Kraft geben wird. Ich weiß ja, dass ich ab einer bestimmten Zeit einfach keine Kraft mehr hab zu stehen. Ich sitz ja nicht ohne Grund im Rollstuhl. Nee, du kennst ja auch deinen eigenen Körper einfach 24/7. Ja, und ich kenn auch meine Grenzen, die muss ich nicht erst in der Schule kennenlernen. Also ist es so, dieser Arzt ist später auch noch der Kinderarzt von meinem kleinen Cousin geworden. Das ist irgendwie ganz lustig. Hast du das denn deiner Mutter oder deinem Vater erzählt? Ich glaube, ich habe den Stein meiner Mutter gezeigt und gesagt, schau mal, der soll mir Kraft geben. Und ich meine, meine Mutter war damals schon auch, also jetzt ist sie so, ja, das ist alles ganz schön, das ist so alles so Quatsch. Sie wünscht sich, dass irgendwas so helfen würde, Aber sie weiß halt, dass es nicht tut. Aber der innere Wunsch ist, glaub ich, schon auch einfach noch da. Dass man da so schöne Globuli hat, und die helfen dann. Und man hat keine Nebenwirkungen. Es wär toll. Keine Frage, wenn das helfen würde. Aber so, sie war damals auf jeden Fall nicht ganz so fern wie jetzt. Also, sie hat mir schon auch Globuli gegeben. Sie hat mir auch andere Sachen gegeben, wenn es so nicht mehr ging. Aber sie hat mir auf jeden Fall auch Globuli gegeben, wenn ich krank war. Ich habe jetzt ein bisschen auch gefragt, weil ich so das Gefühl habe selber, also dieser Arzt, wie der sich verhalten hat, das war ja auf jeden Fall unprofessionell und total übergriffig und einfach nicht okay. Und das hast du als Kind erlebt und ist scheinbar so, zumindest nicht in dieser Weise, deinen Eltern erzählt. Und das ist was, wo ich vermute, weil ich das auch von mir selber kenne und von vielen auch gehört habe, dass das ganz... Ich dachte, es wäre normal. Eben. Und dass halt ganz häufig so ist, dass die Eltern überhaupt nicht checken, was an übergriffigen und auch teilweise gewaltvollen Verhaltensweisen von Erwachsenen gegenüber den Kindern stattfindet, weil man es als Kind nicht erzählenswert oder ja, als normal einstuft oder warum, also so ganz, warum man das nicht erzählt, kann ich nicht sagen, aber ich habe solche Sachen auch nie erzählt. Ich dachte, das muss so, wenn das nicht normal ist, dann kriegen sie das von den Lehrern mit. Und ich glaube, ich habe mir auch keine Gedanken darüber gemacht, dass wenn ich das nicht erzähle, dass die das dann nicht wissen. Ich bin manchmal auch davon ausgegangen, dass die natürlich auch miteinander reden oder sowas. Aber das erklärt für mich in gewisser Weise, wieso häufig Eltern sehr lange ein sehr positives Bild haben, Weil sie von den Erwachsenen halt das gefüttert kriegen, was man aus Waldorf-Sicht den Eltern füttern möchte. Und von den Kindern dann nicht das erzählt kriegen, was sie eigentlich auch wissen müssten, um gut entscheiden zu können für ihre Kinder. Ja, voll. Sehe ich auch so. Und man kann es glaube ich tatsächlich einfach entnehmen. Ich weiß nicht, wie es dir dann in der Situation ging. Ich meine, man denkt schon, das stimmt hier nicht, das ist hier nicht okay. Und was ich krass finde und gut finde, du hast dich dann halt einfach hingesetzt, du hast für dich eine Lösung gefunden. Einfach. So einfach war das vermutlich nicht. Ich hatte keine andere Wahl. Ich wollte gerade sagen, das war wahrscheinlich später, als du es eigentlich hättest machen sollen für dich selber. Also man geht ja dann schon sehr viel länger mit, als es einem eigentlich gut tun würde. Und hat halt aber nachher, oder vermutlich nicht, auch die Worte, um das einzuordnen. Ja. Also, hatte ich nicht. Und ich meine, als er mir gesagt hat, ich soll ein Bild malen, habe ich ja schon irgendwie in Frage gestellt, ob er überhaupt wirklich ein Arzt ist. Ja. Weil, also, ich, ich meine, da hat er vielleicht mit mir auch einfach wirklich verkackt, weil ich hatte schon da Erfahrungen mit Ärzten. Ja. Ich war also ultra viel bei Ärzten. Und wenn die mir dann erzählen, ich soll ein Bild mit einem Haus und einem Garten und einem Menschen malen, so, ciao. Nee. Und ... Ja, keine Ahnung. Das ist halt das, was man normalerweise in diesen U-Untersuchungen macht. Mich hätte das überhaupt nicht gewundert, weil das, ich sag mal platt gesagt, in jeder von diesen U-Untersuchungen Teil des Spiels war. Ja, aber in den U-Untersuchungen oder in diesen Vorschuluntersuchungen wurde mir auch ein Vogel gezeigt, das ein Rotkehlchen war. Und ich habe halt gesagt, das ist ein Rotkehlchen und habe nicht gesagt, das ist ein Vogel. So. Das wollten die dann nicht akzeptieren. Okay. Erwachsene manchmal, ey. Ja. Ja. Genau, also du bist eingeschult worden und dann warst du bei dem Schularzt. Und weißt du eigentlich warum? Also ich war nicht, muss ich dazu sagen. Das war standardmäßig. Alle mussten zu diesem Schularzt gehen, irgendwann im Laufe des ersten Schuljahres. Und ich war halt eigentlich immer mit allem das erste Kind, weil ich halt mit A angefangen habe. Ja, verstehe. Also, wenn ich mich richtig erinnere, ich habe halt auch ein bisschen über Schulärzte mal gelesen, da geht es dann häufig so um festzustellen von Temperamenten über Konstitutionsproblemen und so, um dann halt festzulegen, Welche Kinder, welche Sorte Heileurythmie, welche Kittelfarben, welche Aufgaben in der Klasse vorne, hinten, rechts sitzen und so. Also ich glaube, da spricht dann glaube ich der Schularzt oder die Schulärztin mit der Klassenlehrkraft und dann wird pädagogisch, medizinisch entschieden, was dieses Kind jetzt braucht. Das ist ja sehr medizinisch. Ja, und das ist halt dann das, was unter individueller Förderung, und wir sehen das Kind individuell und so, dann auch läuft. Und man kriegt da, glaube ich, tatsächlich aber als Eltern, ich weiß nicht, wie es heute ist, aber nichts bis wenig davon mit. Und als Kind erst recht nicht. Also als Kind wirst du halt irgendwann zur Heiler-Rhythmi abgeholt. Aber warum und wie lang und wie oft und wer das entschieden und was dadurch besser werden soll, das weiß man dann auch einfach nicht. Ja, also bei mir war es, also diese Sitzordnung mit diesen Temperamenten, das weiß ich, dass das meine Klassenlehrerin zumindest nicht gemacht hat. Ja. Ich weiß aber, dass meine Russischlehrerin zum Beispiel, also ich hatte Russisch in der Schule, meine Russischlehrerin zum Beispiel, in dem Unterricht hatten wir immer eine andere Sitzordnung. Und ich kann es mir nur so erklären, dass die das deswegen gemacht hat. Ja. Und ich weiß aber leider immer bis heute nicht, in welchem Temperament ich war. Ich würde es gerne wissen. Ich habe gestern zum Spaß meine Therapeutin gefragt, in welchem Temperament sie mich denn stecken würde, wenn sie müsste. Und dann hat sie sich so übelst aufgeregt. Also, das ist voll das Schubladendenken. Und dann behaupten die noch, die wären individuell. Ja, das fiese finde ich tatsächlich, dass bei diesen Temperamenteneinteilungen, also gerade am Anfang, die kennen ja die Kinder auch noch nicht so gut, aber es gibt relativ viele körperliche Merkmale, die tatsächlich da, also so wie du gehst, wie man läuft, wie man sich bewegt, wie laut man spricht und aber auch, ob man zum Beispiel Locken hat oder keine Locken hat, ob man eine kleine Nase hat oder eine große Nase hat, Sommersprossen oder nicht. Und das ist natürlich totaler Humbug, brauchen wir nicht drüber reden, aber das kann einen natürlich dazu verdammen, dass man irgendwo einsortiert wird. Und ich kann gut verstehen, dass es vermutlich heute viele Lehrkräfte gibt, die das auch nicht oder nur sehr abgeschwächt machen. Aber man weiß halt nie, an wen man gerät und wie ernst jemand so was nimmt und kriegt das, glaube ich, auch einfach nicht mit. Ich weiß auch nicht, ob das jemand sagen würde, wenn man fragen würde, "Machen Sie das?" Ja, also, bei mir in der Klasse, in einem Elternamt, wurde das mal explizit gefragt, glaube ich. Und dann hat sie gesagt, sie macht das mit der Sitzordnung nicht. Ähm, aber, also, ich hab so, ich hab meine Zeugnisse neulich gefunden. Und da steht schon eine Beschreibung drin, die du so übertragen könntest. Aber ich glaube, was ich halt lustig finde, Ich glaub, die hätten so richtig gerne mein Temperament in der Zeit gewechselt. Weil am Anfang war ich immer noch so ein bisschen das ruhige ... Kind. Und irgendwann bin ich halt zu einem Kind geworden, mit dem die gar nicht mehr klarkamen. Ganz einfach. Es steht auch in meinem Zeugnis, dass sich ernsthafte Probleme entwickelt haben und ich wurde von Klassenfahrten geschmissen. Also ... So ... Ich habe mir gestern die Beschreibungen zu den Temperamenten durchgelesen und es passt einfach nicht. Ich habe mir schon überlegt, in ein anderes Forum zu schreiben und zu fragen, was ich machen soll, wenn kein Temperament auf mich im Zimmern zugeschrifft ist. Was soll ich machen? Genau, aber nochmal zurück. Du wurdest eingeschult. Wie war das für dich, in der Klasse da anzukommen? Und da im Schulalltag zurecht zu kommen, weil ich meine, das ist natürlich, man hat so seinen Klassenraum und dann hat man natürlich aber große Pausen und irgendwie verschiedene Räume, Eurythmie-Saal, die man irgendwie wechseln muss und so. Wie war das? Also wir haben einen Neubau und einen Altbau und die erste Klasse in unserem Jahrgang und in den Jahrgängen danach, in ein paar auch noch, waren im Neubau. Und der war komplett barrierefrei eigentlich. Also es gab einen Aufzug, es gab behinderten Toiletten. So, und ich bin da so angekommen. Und für mich war das voll okay, es war voll fein. Die Klasse ging eigentlich ganz gut mit mir um. Die Klassenlehrerin, die nicht, die hat mich immer so behandelt wie so ein rohes Ei. Das war richtig anstrengend für mich, weil ich wusste, was ich kann und was ich will und was ich nicht kann. Und ich hatte auch eine Assistenz. Also ich hatte in den ersten vier Jahren eine Assistenz. Die, ja, der eine ist nach der ersten Klasse gegangen. Und, ja, die waren halt immer dabei. Das hat mich genervt, weil ich konnte keine Gespräche mit Leuten aus der Klasse führen, ohne dass dieser erwachsene Mensch daneben steht. Und dann habe ich mir in der ersten Klasse irgendwann im Sommer mein Bein gebrochen. Und dann hat meine Klassenlehrerin gesagt, ich darf in den großen Pausen nicht mehr rausgehen. Und musste dann immer in einen Nebenraum gehen oder ins Lehrerzimmer gehen. Was? Weil du dann da beaufsichtigt warst? Genau, weil die einfach behauptet hat, ohne das mit Eltern oder mit mir abzusprechen, dass ich Glasknochen hätte. Das ist doch eine ganz eigene Krankheit und eine ganz eigene Diagnostik. Ja, also das ist in der fünften Klasse, wo man rausgekommen ist, und sie war so, ja, sie ist Krankenschwester, sie weiß das. Und ich war so, nein, ich hab keine Glasknochen, lass mich rausgehen in der Pause, ich will nicht die ganze Zeit drin hocken. Ja, ja. Ja. Ja. Naja, und auch weil natürlich große Pause, das ist ja natürlich das, wo man auch mit Freund*innen irgendwie Gespräche führen oder irgendwie lachen und was machen kann. weil im Unterricht muss man sich ja schon immer, gerade wenn es große Klassen sind, einfach auch sehr disziplinieren. Also da nimmt man ja... Ja, also wir wohnen 26. Ja, aber da streicht man ja komplett sozusagen das Sozialleben damit. Ja, also ich... Also ich habe mich jetzt mit niemandem so richtig gut verstanden aus meiner Klasse, würde ich behaupten. Also ich fand das alles auch einfach nicht interessant, worüber die geredet haben. Ich fand das interessant, was Erwachsene gesagt haben. Also ich hatte auch damals, habe ich mit mehr Leuten zu tun gehabt, die Erwachsen waren, als mit Kindern. Und das mit dem Lehrerzimmer hat mich jetzt gerade auch ein bisschen gewundert, weil bei uns war das Lehrerzimmer so krass das Heiligtum, da durfte man als Kind einfach überhaupt nicht, nie rein. Ja, ja. Das war schon bei uns im Altbau das normale Lehrerzimmer auf jeden Fall auch. Aber im Neubau gab es auch ein Lehrerzimmer. Also eher so Boutiquen-mäßig wahrscheinlich dann? Genau. Und nicht für die heilige Konferenz? Nein, nein, nein, nein. Ja, okay. Ja, da durfte ich nicht rein. Okay, na dann kann ich... Aber es ist schon witzig, dass ich so ein Gefühl habe von "Hä, das kann doch nicht sein!" Und dann ist es in dem Sinne auch nicht so. Ja. Genau. Wie war denn sowas wie rhythmischer Teil oder so für dich? Hab ich gehasst. Weil da musste man immer rumspringen und hüpfen und irgendwas singen und was auch immer machen. Und ich musste immer mitmachen. Und für mich war das einfach nur anstrengend. Ja. Da so rumzuhopsen und irgendwas zu machen. Ich wollte, das steht tatsächlich auch in meinem Zeugnis, dass ich sehr demotiviert im rhythmischen Teil war und immer zur Sache gehen wollte. Ich wollte halt in die Schule gehen, wollte mich hinsetzen, wollte Schule machen, dann wollte ich wieder nach Hause gehen. Ich glaube, ich wäre so ein... Ja, ich war einfach kein gutes Waldorfkind. Weil ich habe auch damals schon alles hinterfragt. Ich habe immer Fragen gestellt. Immer. Und dann war ich irgendwann im Matheunterricht in der ersten oder zweiten Klasse. Und dann habe ich mich gemeldet und meinte, habe meine Lehrerin gefragt, ob sie an Gott glaubt, ja oder nein. Und dann hat sie mir leider keine Ja-oder-Nein-Frage geantwortet, sondern hat mir zehn Minuten irgendwas über ein göttliches Licht erklärt. Okay. Ja, keine Ahnung. Fand ich nicht so gut, hab auch nicht zugehört, weil ich wollte nur wissen, ob sie an Gott glaubt, ja oder nein, und nicht irgendwas über ein göttliches Licht strahlen. Und so bei Zeugnissprüchen oder so? Das hatte ich in meiner ersten Klasse ja nicht. Nee, genau. Das wäre jetzt in der zweiten. Wie war es in der zweiten dann? Zweites Schuljahr? Ja, da durfte ich halt immer noch nicht rausgehen. Ich hatte andere Assistenten, die selber auch Waldis waren. Das war irgendwie auch ein bisschen komisch, weil die fanden Waldorfschulen ganz, ganz toll. Und haben das alles sehr supported. In der zweiten Klasse bin ich nicht mehr in Eurythmie gegangen. Da wurde ich von Eurythmie freigestellt, weil ich es zu anstrengend fand. Aber da ja noch mit Rollstuhl gehen musste. Also ohne Rollstuhl, weil die Eurythmie-Lehrerin das irgendwie so gesagt hat. Okay, das heißt, du durftest nicht mit Rollstuhl teilnehmen und ohne Rollstuhl war es einfach für dich nicht machbar, kräftemäßig? Ja, also in der Zeitenklasse haben die halt voll viel mit so Rennen und Springen und Eurythmie gemacht. Und das konnte ich einfach nicht. Und dann war ich so, ich will da nicht zuschauen, wie andere Leute das machen, sondern dann will ich halt was anderes machen. Und was hast du dann gemacht in der Zeit? Entweder ich hab Hausaufgaben gemacht oder ich war draußen auf dem Schulhof. Ja, manchmal durfte ich sogar noch einen Menschen aus meiner Klasse mitnehmen. Ah, ok. Als Begleitung. Damit du nicht alleine bist. Ja. In der zweiten passiert glaube ich sonst nicht so etwas Dramatisches. In der dritten gibt es dann so schöne Sachen wie Handwerks-Epochen und Ackerbau-Epochen. Wir haben irgendwie gemauert und ich glaube, mit so einem Pflug an Seilen, also die Kinder wie so Pferdchen, irgendwie so in so eine Ackerfurche gezogen und dann irgendwie so Körner reingesät. Und ich glaube, wir haben das aber nie sinnvoll geerntet oder irgendwie was war da auch nicht wirklich rausgeworden, oder? Doch, doch. Wie war es bei Euch? Also wir haben dieses auch gepflügt, blabla. Also erst haben wir das von der damals vierten Klasse geerntet, nämlich. Und dann, also was die dritte Klasse damals irgendwie eingesät hat, haben wir dann geerntet. Und dann haben wir für das St. Michaels Fest oder so, oder dieses Erntedankfest, haben wir dann so Mehl gemacht. Ja, genau. Erntedank und St. Michael wird inzwischen häufig zusammengelegt als Einfest. Genau. Und dann haben wir so Mehl gemacht, um daraus Brötchen zu machen. Und dann haben so andere Klassen irgendwie in ihren komischen Unterrichten Butter und Kräutersalz gemacht. Also wir haben das schon geerntet und verarbeitet. Aber da mussten wir auch diesen Pflug pflügen, diesen Acker pflügen. Und ich war sehr, sehr klein und ich habe mich dann auf den Pflug drauf gesetzt als Gewicht. Und dann wurde ich über den Acker gezogen. Aber das ist doch eigentlich ganz cool. Das fand ich eigentlich übelst lustig. Aber generell mochte ich nichts, was so extra Sachen waren. Also, was so extra Sachen waren, die nicht im Klassenzimmer am Tisch waren, mochte ich alles nicht. Weil es war irgendwo im Schulgarten auf dem Berg und da musste man auch erstmal hinlaufen und manchmal musste ich dann irgendwie da mit dem Auto mit so Eltern oder Lehrer*innen hinfahren. Das fand ich immer eher nicht so cool. Ja, und dann haben wir das halt auch gesät und geerntet und sind das irgendwie tausendmal anschauen, gelaufen, spazieren gegangen, um zu gucken, wie groß das schon gewachsen ist. Und dann waren wir noch beim Schreiner und beim Uhrmacher und beim Bäcker. Ja. Aber klingt jetzt erstmal so für mich irgendwie ganz cool oder irgendwie so? Ja, fand ich lustig eigentlich. Aber dann hatten wir die Hausbauepoche. Und die fand ich eigentlich auch ganz lustig, weil ich fand es irgendwie cool, was zu machen. Und so eine Mauer zu mauern hat mir eigentlich schon Spaß gemacht und so. Aber da hatten wir auch dieses, wie heißt das, offene Klassenzimmer, freie Klassenzimmer oder so, halt im Garten. Wir haben dann im Garten Unterricht gemacht. Und ich fand es so anstrengend, keinen Tisch zu haben. Aber hätte man sich da nicht einfach einen hinstellen können? Doch, natürlich hätte man's machen können. Haben sie aber nicht. Eine Bierbank oder so? Haben sie nicht. Ja. Also, hattest du das Gefühl, dass bei dir... Ich mein, das sind ja so Standard, weil die Sachen, die man irgendwie dann halt in der dritten Klasse macht, hattest du das Gefühl, dass irgendwie jemand sich vorher... Also, weil das kommt ja alles nicht zufällig. Also, diese Epoche kommt ja nicht unerwartet. Und dass man ein Kind im Rollstuhl in seiner Klasse hat, ist ja irgendwie jetzt auch nicht unerwartet. Hattest du das Gefühl, dass das irgendwie sinnvoll, nach Lösungen gesucht worden wäre oder dass das gerücksichtigt wurde in der Gestaltung in irgendeiner Art und Weise? Nein, gar nicht. Also da wurde einfach nie drauf geachtet und die wollten mich auch eher immer dazu überreden, dass Laufen gut ist und dass Rollstuhl schlecht ist. Und bei mir hat es nicht so weit gereicht, dass ich meinen Rollstuhl nicht mehr benutzt habe, habe, weil ich irgendwann auch einfach nicht mehr anders konnte, als ihn zu benutzen. Aber ich habe mich schon immer eher schlecht gefühlt, wenn ich mit Rollstuhl in die Schule gegangen bin. Ja, und dann durfte ich aber irgendwann auch mit Rollstuhl ins Klassenzimmer fahren. Wie kam das dann zustande? Also hast du dich oft genug beschwert? Ich habe gesagt, ich muss mit Rollstuhl fahren. Ich laufe da jetzt nicht hin. Ich glaube, das kam zustande, weil ich irgendwie öfter hingeflogen bin, wenn Leute nur so ganz leicht gegen mich gelaufen sind oder so. Und meine Klassenlehrerin war eh der Meinung, ich hätte Glasknochen. Ach so, das war dann so ein Sicherheitsaspekt sozusagen? Ja, bestimmt. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Also ich kann mich erinnern, dass, wenn wir von der Pause rein sind im Klassenzimmer, das war immer erst mal völlig das Grempel und Gewöhnungsübel. Ja, aber ich durfte ja gar nicht mehr raus. Ich saß dann ja schon im Klassenzimmer. Also ich hab dann immer aus dem Fenster geguckt. Und manchmal waren die Pausen auch echt lustig, weil irgendwie hab ich dann irgendwas gespielt oder so. Das fand ich irgendwie auch ganz cool, nicht mit diesen ganzen Leuten auf dem Schulhof zu sein, weil ich die auch anstrengend fand. Aber manchmal, grad so im Sommer, hat's mich halt ultra gestresst. Ja, das glaub ich. Dass ich drinbleiben musste. Weißt du, ob solche Sachen mit deiner Mutter irgendwie oder mit deinen Eltern irgendwie besprochen waren? Und ob man da irgendwie nach anderen Lösungen auch gesucht hat oder so? Ich weiß es nicht. Ich glaube aber nicht so richtig. Und das Ding war auch, dass ich diese ganzen, wie heißt es, diese ganzen Assistenten nicht brauchte. Meine Klassenlehrerin wollte die haben. Die hat die dann immer Kopieren geschickt während dem Unterricht. Die brauchte die. Die hat die einfach arbeiten lassen. Die hat die Blätter austeilen lassen in der Klasse. Die hat die, diese ganzen Tafeln geschrieben, die man dann einschreiben musste. waren die Assistent*innen für die Klassenlehrer*innen. Genau, und in der vierten Klasse, dann habe ich am Ende von der vierten Klasse, habe ich irgendwann gesagt, ich will diese Assistent*innen nicht mehr haben, ich will nicht, dass die über mich bezahlt werden für meine Klassenlehrer*in. Ja, verstehe. Das war dann auch ein Gespräch mit meiner Mutter zusammen, und der Klassenlehrer*in und der Assistent*in. Und dann hab ich's aber auch geschafft, die loszuwerden. Ich hab richtig geheult. Ich saß in diesem Klassenzimmer und hab so geheult und hab aber trotzdem noch das gesagt, was ich sagen wollte. Also, ich brauch die nicht, ich will die nicht, die stören mich bei Gesprächen, die ich führen will, weil sie immer neben mir stehen. Und dann sind die nicht mehr gekommen, weil sie es nicht mehr... Also ich glaube meine Mutter hat sich dann auch noch dafür eingesetzt, dass die nicht mehr da sind. In der vierten Klasse war dann auch die Zeit, wo ich Heilrhythmie machen musste. Ah, und davor noch gar nicht? Nein, nein. Da haben andere Leute Heilrhythmie gemacht. Es hat immer nur ein Kind aus der Klasse Heilrhythmie bekommen. Und das hat dann immer so durchrotiert. Und ich hatte nie Heilarrhythmie, die ganze Zeit. Und irgendwann in der vierten Klasse wurde ich aus dem Klassenzimmer geholt von einer. Die hatte immer so rote, rotbraune Klamotten an und so Seidenflügelchen. Die sah ganz gruselig aus. Die sah aus wie so ein Herbstranke. Die hieß auch noch so ähnlich. Also, keine Ahnung, die sah aus wie so eine Herbstranke, die aber schon irgendwie ein bisschen schimmlig war. Und die war so richtig, richtig alt und hat so richtig gruselig geredet. Und ich fand die schon immer gruselig, wenn ich die irgendwie so über den Flur... Die ist gefühlt so geschwebt. Die ist so ganz... Keine Ahnung. Und dann hat die mich aus... Dann hat die geklopft. Und hat gesagt, komm bitte mit. Und ich war so, oh Gott. Und da haben wir gerade einen Russisch-Test geschrieben. Ich habe gar nicht verstanden, warum ich jetzt den Russisch-Test nicht mitschreiben muss. Und fand es auch blöd, dann da rauszugehen. Dann bin ich da mit raus. Dann sind wir durchs ganze Schulgebäude, über den ganzen Schulhof zusammen. Und die hat mich geschoben. Und ich wollte nicht geschoben werden. Aber sie hat mich geschoben. Ich hab ihr gesagt, sie soll mich loslassen. Sie wollte nicht. Sie hat mich weiter festgehalten. gefahren, in Altbau, im obersten Stock und ins letzte Zimmer. In diesem Zimmer gab es kein Fenster und fast keine rechten Winkel. Ein Klavier stand drin, es hing ein riesiges Bild von Rudolf Steiner an der Wand und es war nur Kerzenlicht. Ich glaube, es standen fünf Kerzen da drin oder auf so einer Bank, wo dann auch so, es war im Herbst auch, wo dann auch so Zapfen da so draufstanden. Auf so einer Bank, wo dann auch so ein Tuch war, und dann standen da die Kerzen noch drauf und ein Teppich. Und dann hab ich halt gefragt, weil ich hab immer hinterfragt, hab ich gefragt, warum soll ich das machen, warum bin ich hier? Und dann hat sie gesagt, dass wenn ich Hyalurhythmie machen würde, oder ich hab ganz am Anfang noch so zwei Übungen mitgemacht, ich musste immer so Ls machen, während sie irgendwas "Welle" gesagt hat oder so. Und dann so Klavier dazu geklimpert hat. Sie konnte auch nicht Klavier spielen. Und dann hat sie so... Dann hab ich gesagt, warum muss ich das machen? Und dann war sie so, ja, wenn ich Hyaluronid-Me mache, dann muss ich kein Korsett mehr tragen und sitze sich im Rollstuhl. Und überhaupt beruhigt dich das? Und ich soll das machen, weil mein Vater sich nicht gut um mich kümmern würde. What? So, das hat die mir gesagt in der 4. Klasse. Krass. Dann wollte ich rausgehen, weil ich war so... Ich hab gesagt, das stimmt nicht. Ich sitze im Rollstuhl, ich hab ein Korsett. Durch Hyaluronid-Me wird sich das nicht ändern. habe ich auch so gesagt und dann wollte ich rausgehen und dann war ich in diesem Raum eingeschlossen. Und es war ja ganz oben im letzten Eck von diesem Schulgebäude. Krass. Und es war schrecklich. Ich habe gegen diese Türe geklopft. Ich habe irgendwie gerufen, ob mich irgendjemand hört, dass ich aus diesem Zimmer rausgeholt werde. Aber es hat mich niemand gehört. Aber die Frau war mit dir da? Also die heilige Mütze war mit dir in dem Raum? Die war mit mir da. Und die hat dich aber nicht rausgelassen. Die hätte die Tür aufmachen müssen. Ja genau, sie hätte sie aufschließen müssen. Stattdessen kam die hinter mich und hat so ihre Hände auf meine Schultern gelegt, um mich zu beruhigen. Und hat mir dann irgendwelche Sachen in mein Ohr gefaselt. Und die hatte dann so diese Hände so auf meinen Schultern und wollte, dass ich so tief ein- und ausatme. Und ich habe einfach nur so, ich habe mich so zusammengezogen und konnte, ich habe dann auch nicht mehr gerufen und nicht mehr an diese Türe geklopft. Ich habe einfach nur noch gar nichts gemacht. Ich saß dann da so da und war leise. Du hast gewartet, bis es vorbei geht. Genau. Bis die andere Heil-Eurythmistin mit einem anderen Kind kam. und dich erlöst hat sozusagen. Genau. Ja, und die hat dann aber auch diese Heilrhythmistin, das habe ich so gehört, als ich bin dann, diese Türe ging auf und ich bin rausgespuckt, so schnell rausgefahren, wie ich konnte. Und ich habe dann nur noch gehört, wie die andere Heilrhythmistin zu ihr gesagt hat, dass sie das nicht machen kann, dass sie keine Kinder einsperren kann. Ja. So, das habe ich noch gehört, aber Das habe ich dann meinen Eltern und meiner großen Schwester erzählt. Meine große Schwester ist am nächsten Tag in die Schule gegangen, hat diese Frau gesucht, diese Heilorhythmistin, und hat sich beschwert darüber. Und die Heilorhythmistin dachte, meine Schwester, die nur zwei Jahre älter ist als ich, hat sie gesiezt, weil sie ganz kurz dachte, es wäre meine Mutter. Meine Schwester war dann in der 6. Klasse. 2 Jahre älter heißt dann so 12 oder so, ne? Genau, sie war in der 6. Klasse, also 13 oder so. Hat sie dann, glaube ich, auch nach 2 Sätzen gemerkt. Und dann wurde sie nicht mehr ernst genommen. Meine Mutter hat sich dann, glaube ich, auch oder mein Vater bei der Klassenlehrerin irgendwie beschwert. Und die hat dann auch gesagt, dass ich dann nicht mehr hingehen muss. Aber ab da war halt das Vertrauensverhältnis zu meiner Klassenlehrerin komplett weg, weil die gesagt hat, ich soll da hingehen. Die hat auch gesagt, ich soll es nochmal versuchen. Am nächsten Tag dann. Ja, oder so. Und ich versuch das ganz sicher nicht nochmal. Ja, oder genau. Ich glaube, man hatte das auch nur einmal die Woche oder sowas, ne? Nö, nö, nö. Ne? Nein, also die wurden ständig rausgeholt. Ne, aber bei uns war das irgendwie so, dass man das so phasenweise hatte. Also ich glaube, dass ich das halt irgendwie, keine Ahnung, oder drei Wochen jeden Tag oder so und dann halt wieder ein, zwei Jahre nicht mehr. Ja, genau. So war das bei uns. Oder zweimal die Woche, irgendwie so genau weiß ich nicht. Aber es war auf jeden Fall immer so eine Phase und dann war man wieder fertig. Aber man wusste vorher nie, wann diese Phase anfängt und wie lange sie gehen wird. Ja, das war so richtig random. Ja, total komisch. Und dann war irgendwann halt random ein anderes Kind dran. Also das war total... Und bei uns war es auch so, dass dieses Räumchen, ein ganz kleines, finde ich auch sehr gruselig ist. Bei uns gab's ein Fenster, aber da war immer ein Vorhang davor. Und dass man dann so hinter dem Heilerhythmisten mit seinem Schläppchen in der Hand dann durch diese leeren Flure gehen musste, das war alles immer schon so irre. Es ist richtig creepy. Ja, total. Weil einem ja auch niemand irgendwie sagt, warum und weshalb. Und man ist da einfach völlig ausgeliefert. Du in der Situation noch mal viel krasser natürlich irgendwie eingeschlossen. Ja und sie hat mich ja auch schon geschoben und nicht losgelassen. Wahrscheinlich wusste die schon, dass ich das nicht machen will. Also wahrscheinlich wussten die das irgendwie, dass ich das nicht machen will und einfach wegfahren würde. Ja und da gab es sicherlich auch keine Konsequenzen für die Heilerhythmistin, oder? Nee, nee, nee. Gar nicht. Das hat die gar nicht gejuckt. Also das hat niemanden. Das hat denen allen egal. Weil das sind ja schon einfach erstens massive Grenzüberschreitungen, zweitens auch einschließen ist einfach auch, ich glaube, so Brandschutz-mäßig und so, ich glaube, das darf man gar nicht. Brandschutz ist ja eh so eine Sache, wenn man mit Rollstuhl im zweiten Stock, also. Oh ja, das auch noch, naja. Ja, also. Zweiten Tüchlein, naja. Sag mal, musstest du irgendwann eigentlich zur normalen Artymie nochmal wieder hin, oder war das dann am Ende deines Studiums? Ja, in der vierten Klasse bin ich wieder in normale. Also dann bin ich ja nicht wieder in heile Eurythmie gegangen, weil ich gesagt habe, ich mache das nicht mehr. Und dann bin ich wieder in normale Eurythmie gegangen. Ich glaube, ich war zweite, dritte und nicht in Eurythmie. Und dann hatten wir auch eine andere Eurythmie-Lehrerin. Es war also ein richtiges, so ein richtiger Waldorf. So eine richtige Waldorf-Tante, die so richtig, richtig überzeugt von Eurythmie war. Das fand ich schon fast ein bisschen beeindruckend. wie überzeugt sie davon war. Und wie war die Lösung? Ich erinnere mich, dass bei uns das Kind mit der Brille, was ja auch ein Höchstmittel ist, in Eurythmie auch immer diese Brille dann absetzen musste. Und dann gab es aber diese Kupferstäbe und diese Fangübungen. Und dieses Kind hatte einfach zu Recht natürlich total Angst vor diesem Kupfer, weißt du, so immer kurz, kurz, lang, ne? Ja, ja, ja, kurz, kurz, lang und dann diese Wasserfälle hinten runter oder so. Naja, da kann nicht so viel passieren, außer dass das halt auf den Boden fällt. Aber wo man sich das immer so gegenübersteht und das so zuschmeißen muss und wenn du dann deine Brille, dein Hilfsmittel nicht benutzen darfst, dann fliegt dir so ein Kupferstab irgendwie entgegen. Es gab so siebener Schritte mit diesem Kupferstab so vorne und dann so auf die Daumen. Ja, ja, ja. Ja, auf jeden Fall. Ja, also ich bin dann, die Lösung war, dass ich entweder, also ab Anfang mussten wir dann immer so Kreisübungen machen oder mussten wir so Kreisübungen, so Schrittübungen mit den Füßen und dann irgendwelche Fünfsterne laufen. Wir mussten unfassbar viele Fünfsterne laufen. Bei uns waren es Lemniskarten. Okay, ja, also wir mussten immer 5 Sterne laufen. Oder 5 Sterne hatten wir auch, ja. Oder Lemniskarten, bestimmt auch. Und da bin ich dann halt, weil die mussten wir dann ja im Kreis laufen, bin ich einfach eine halbe Eurythmiestunde lang im Kreis gefahren mit dem Rollstück. *lacht* Zirkusmanege. Ja, also, ich fand's richtig lustig. Also ich dachte mir so, okay, ich fahre halt jetzt eine Stunde lang im Kreis. Pädagogisch hochwertvoll. Auf jeden Fall. Und dann, wenn man diese Formen von der Tafel abfahren musste, war ich entweder die Zeigeperson, die dann mit dem Stab diese Formen gezeigt hat, wo man gerade ist. Ich weiß nicht, ob du das auch hattest. Ja, aber das war irgendwie erst sehr viel später. Oder ich weiß es gar nicht mehr. Ich glaube, das hat das fünfte Klasse angefangen. Ja und dann... Oder ich wurde geschoben. Und die Person, die mich geschoben hat, hat das mit den Beinen gemacht und ich hab die Arme gemacht. Ah, okay. Verstehe. Weil die konnte die Arme nicht machen, weil sie den Rollstuhl festhalten musste. Und so wart ihr sozusagen zu zweit eine Person einmal für eine andere Hände. Aber es war immer ganz komisch. Und oft habe ich mich auch auf die Bank daneben gesetzt und fand das eher so Belustigung. Wir waren, also die hatte uns schon einigermaßen im Griff, diese Lehrerin. Also wir waren nicht laut oder so, aber wir haben halt zum Teil einfach nichts gemacht. Also wir waren auch nicht so eine gute Waldorfklasse, würde ich sagen. Weiß ich nicht. Vielleicht schon meine Klassenlehrerin würde das bestimmt anders sagen. sagen. Die fand mich auch die ersten Jahre immer ganz ganz toll und hat mich immer Nudel genannt, mir über den Kopf gestreichelt oder mir in die Backen so gekniffen. Sieben auch alle Kinder. Ja, ich fand es immer ganz schrecklich, hab ihr das auch gesagt. Aber hat sie deswegen trotzdem nicht aufgehört? Nee, nee, nee. Und in der Kupferstab-Epoche durfte ich mein Rollstuhl wieder nicht reinnehmen, Weil sie gesagt haben, das Kupfer tut negative Synergien mit meinem Alu-Rollstuhl. Okay. Das ist geil, weil die haben mir das auch so gesagt. Und du hast aber wahrscheinlich in dem Moment schon irgendwie innerlich abgeschalten, oder? Ich fand's richtig lustig. Ich war so, entweder ich geh mit meinem Rollstuhl da rein oder nicht. Da bin ich halt auch ohne bei den Rollstuhl reingegangen und fand das irgendwie ganz schön witzig mit diesen Kupferstäben. Weil wir halt nur so Stock ... Also, ich hab nur Quatsch mit denen gemacht. Ich hab nur so ... Ich hab den immer als Stockkampfstock verwendet mit anderen Leuten. Schwertkämpfe. Ja, ja. Ich ran also. Oder wir haben die so durch ... Wir haben Speerwerfen damit gemacht. Wow, echt? Da gab es bei uns immer super Ärger, weil er das natürlich Dellen ins Parkett macht. Aber die sind ja auch die ganze Zeit runtergefallen. Ja, aber das gehört ja dann irgendwie dazu. Und die hatten ja auch so Gummipfropfen immer unten extra dran. Aber deswegen gab es bei uns immer sofort krasse Ärger. Ja, also das Ding war, unsere Aritmilehrerin ist halt manchmal so rausgegangen, um noch ein Satz Kupferstablet zu holen. Und dann haben wir das gemacht. Da war nur die Pianistin da. Und die hatte halt in der Klasse bei uns nichts zu sagen. Die war uns so egal. Das ist auch nicht deren Job. Nee, aber die war uns einfach so egal. Mit der hab ich mich irgendwann richtig angelegt auch. Ja? Ja, ja. Ich hatte irgendwann also gegen Ende von meiner ganzen Waldorfschulzeit war ich von fast... Entweder ich hab gesagt, ich geh nie wieder in diesen Unterricht, oder ich war suspendiert. Okay. Weil jetzt hatten wir fünfte Klasse, glaube ich, ne? Und dann kommt die sechste, da gibt's dann Klassenspiel. Echt? Ja, also wir hatten, also achte ist das echte Klassenspiel, aber in der sechsten machen ganz viele, hatten wir auch entweder eine Oper, ganz beliebt ist irgendwie so Zauberflöte oder sowas. Ne, das hatten wir in der sechsten Klasse nicht. Wir hatten in der vierten Klasse die Edda. Ja, wir hatten auch in der vierten so Baldur-Spiel. Wir hatten die Edda und ich war die Seherin. Du warst die Seherin. Jaja, das war total toll. Mir hat Spaß gemacht. Also mir hat Spaß gemacht, aber ich kann den Spaß auch immer noch auswendig und ich kann alle meine Zeugnissprüche auch noch auswendig. Leider. Und sie waren immer von Till von Grottus oder so. Jeder einzelne. Den fandst du scheinbar gut, den Namen hab ich noch nicht gehört. Okay, dann war 6. Klasse kein Klassenspiel bei Euch, aber vermutlich ne Klassenfahrt, oder? Ja, wir sind von *piep* zum Bodensee gewandert. Oh, das macht natürlich im Rollstuhl ganz viel Spaß wahrscheinlich. Durch den Schwarzwald auf jeden Fall. Es ist großartig. Wir hatten diese Klassenfahrt und ich bin dann immer... Ich musste dann immer mit dem Auto fahren. Mit irgendwelchen Eltern oder Lehrern, die als Begleitung mitgefahren sind. Und bin dann zum Dings gefahren und musste dann immer mit denen schon irgendwie anfangen zu kochen oder irgendwelche Sachen aufzubauen und so. Und das war mir ultra unangenehm, weil ich mochte die Leute. Ich mochte diese Eltern nicht. Ich fand die... Nee. Die eine, die wollte mich die ganze Zeit heilen. Mit der ich dann mitgefahren bin. Und die wollte mich irgendwie, ich weiß nicht, zu was sie mich bringen wollte, aber die war einfach irgendwie, die war schrecklich. Und hattest du das Gefühl, dass, ich meine, auch so eine Klassenfahrt kommt ja nicht überraschend. Ja, natürlich nicht. Das war ihr aber egal. Und man hat auch wieder nicht überraschend ein Rollstuhl mit einem Kind dabei. Das heißt, gab's da irgendwie, oder weißt du von deiner Mutter, ob's irgendwie Gespräche gab, dass man vielleicht eine Form von Klassenfahrt finden könnte, die irgendwie inklusiver ist? Nein, bei so was wurde da einfach nicht drauf geachtet, weil meine Klassenlehrerin war unfassbar wanderaffin. Die fand das wichtig einfach für Kinder. Die fand das wichtig, weil bei Wandern spürt man ja sich und seine Umgebung auch ganz toll natürlich. Wir sind auch in der vierten Klasse irgendwie über so einen übel steilen Berg gewandert, da hat meine Mutter mich irgendwie hochgeschoben. Wir sind in der fünften Klasse waren wir auch auf Klassenfahrt. Das Haus war gar nicht barrierefrei. Ich musste immer Treppen hoch und runter laufen, was unfassbar anstrengend für mich war. Und in der sechsten Klasse eben diese komische Wanderung zum Bodensee. Ich meine, manche Tage, da musste ich auch nicht mit dem Auto fahren. Die fand ich dann irgendwie ganz cool. Und das hat mir auch Spaß gemacht. Aber im Großen und Ganzen fand ich's einfach nur anstrengend. Und es wurde nicht drauf geachtet, nein. Es wurde auch an dieser ganzen Schule Sozialdarwinismus ganz krass praktiziert. Der Stärkere gewinnt. Ja, also ich hab diese Klassenfahrten... Also in der 6. waren wir in so einem Schullandheim, da war's irgendwie nochmal ein bisschen anders. Aber ansonsten hatten wir auch viele Fahrradtouren und Wanderungen und sowas. Und ich habe das auch so in Erinnerung, dass das einfach krass anstrengend war. Und ich war ich gehörte zu den Kindern, die eher irgendwie sportlich und fit waren. Und ich konnte irgendwie meine das immer ganz gut schaffen. So. Aber eine Freundin von mir zum Beispiel war halt auch eher einfach zärter und die hat auch total gelitten. Und diese krasse Erschöpfung und immer, dass du halt voll über deine Grenzen gehen musst und dann hast du halt immer die gleichen in der Klasse, die das gut schaffen, die sich teilweise dann auch noch lustig machen über die, die es nicht schaffen. Die, die langsamer sind, haben ja dann auch immer nur eine viel, viel kürzere Pause, um sich zu erholen, weil die anderen ja schon so lange warten. Und das zieht sich dann durch und dann ist es so, dass ich da das Gefühl habe, dass das auch sowas ist, dass klar, das soll gruppenbildend sein, aber das ist natürlich mit ganz viel weil du musst natürlich deinen Mitschüler*innen irgendwie helfen, wenn du gemeinsam ankommen willst. Aber du machst das ja nicht, weil du da jetzt drauf Bock hast oder so was. Und es sind immer die gleichen auch wieder auf Hilfe angewiesen. Ja. Und, ja, also diese Idee, dass man da jetzt als Gruppe so wahnsinnig zusammenwachsen würde. Und wenn man dann noch ein Kind hat, das noch nicht mal dann, also auch wenn die Situation eh schon scheiße ist, es ist aber von vornherein irgendwie schon exkludiert wird, weil da ein ganz anderes Programm ist, dann ist ja eigentlich der Sinn, also so wie ich ihn zumindest aus Waldorfs Sicht verstanden habe, dass man halt als Gruppe, als Schicksalsgemeinschaft, diese Probleme gemeinsam meistert und zusammenwächst, das ist ja von vornherein schon dann irgendwie selbst im Waldorf-Gedanken sozusagen torpediert. Also wenn man aus Waldorfsicht sagt, wir machen das deswegen, dann macht das ja eigentlich einfach keinen Sinn. Nö. Es macht also... Ich glaube, mir hätten Klassenfahrten sogar irgendwie vielleicht Spaß gemacht, wenn auf mich in irgendeiner Form Rücksicht genommen hätte. Wäre. Rücksicht genommen hätte. Wort "wäre". Ja, irgendwie so. Ich glaube, dann hätten die mir auch Spaß machen können. Aber so halt einfach nicht in der siebten Klasse. Bin ich dann von der Klassenfahrt geflogen nämlich. Also da sind wir zu meiner Klassenlehrerin nach Hause, weil die hat in so einem riesigen Haus gewohnt. Als Klassenfahrt? Und haben in ihrem Garten gezeltet. Und da sollten wir so Vorbereitungen fürs Achtklassspiel machen. Achso, das war dann Ende siebter Klasse. Mhm. Und wir sind zu der nach Hause gefahren und ich weiß nicht, wie alt man in der siebten Klasse ist. 14 oder so vielleicht? Ja, 14, 15. Also Ende siebter Klasse ist man eher so 15, glaube ich. Ja, also ich war dann 14, weil ich... Ja. Aber... Also... Ich bin dann von dieser Klassenfahrt geflogen, weil ich Kaffee trinken wollte. Ich hab gesagt, ey, ich will morgens Kaffee trinken, gib mir Kaffee, sonst bin ich nicht fähig irgendwas zu tun. So, ich brauch den, ich mag den, lass mich den trinken. Wenn ihr Kaffee trinken dürft, dann darf ich das auch. Und zu Hause trinke ich auch Kaffee, ihr habt mir da nichts zu sagen. Ich hab mir extra einen scheiß Zettel von meiner Mutter mitgeben lassen. Mein Kind darf Kaffee trinken. Das hat ihn nicht gestört. Ich hatte den Streit in der 6. Klasse schon. Da hab ich immer den Kaffee von meinem einen Lehrer getrunken, der sich dann einfach einen zweiten gemacht hat. Der war nicht dabei. Meine Klasslehrerin und mein Werklehrer waren irgendwann zusammen. Und der war dann auch mit auf dieser Klassenfahrt. Und es war ganz schrecklich. Es war ganz schlimm. Also... Und dann hat irgendwie die eine Mutter sich noch mit mir gestritten, weil ich... Die hatte irgendwelche Verzahnungen mit ihrer Familie und meiner Physiotherapeutin. Und ich hab gesagt, ich mag meine Physiotherapeutin nicht. Es hatte nichts mit dieser Schule zu tun. Und dann bin ich geflogen und musste nach Hause fahren. Und musste aber auch alleine mit dem Zug nach Hause fahren. Und dann hatte ich eine Woche frei und fand es ganz toll. Ja, krass. - Ja. Und dann war ich halt auch bei dieser Rollenverteilung halt nicht dabei vor dem Klassenspiel. - Ja, weil das natürlich da stattgefunden hat. Ich mein, ich hab die Rolle bekommen, die ich haben wollte. Aber so, ich war bei dieser ganzen Vorbereitung Und nicht dabei. Also, mir gings in der Zeit eh richtig kacke. Und war froh, irgendwie ein bisschen Ruhe zu haben. Und hab mich auch gefreut, von dieser Klassenfahrt zu fliegen. Weil ich das einfach... Ja, ich wollte nicht bei der zu Hause sein. Da gab es halt auch irgendwie doch Ultrastress. Weil Leute sich aus meiner Klasse irgendwie den Alkohol vom Kühlschrank von meiner Lehrerin geklaut haben und sich dann ultra die Kante in der Nacht in ihren Garten gegeben haben. Und die Begleiter*innen haben das halt alle nicht gemerkt, weil die irgendwie im Haus waren. Ja und auch glaube ich teilweise ein Tacken naiv. Ja, ich weiß es nicht. Aber egal war das denen nicht, weil die mussten dann so richtig viel Hausmeisterdienst machen, als sie wieder in der Schule waren. Ah, okay, das war dann die Strafe. Ja. Wo wir über Strafen reden, bei uns wurde man auch viel als Strafe, so musste man hinterm Stuhl stehen und in der Ecke stehen und wurde rausgeschmissen. Gab es sowas bei Euch noch? Oder wie wurde damit hier umgegangen zur Strafe? Wir hatten nur so Tische schleifen, Mahlbretter schrubben auf der Bühne. Ja, ja, ja, das mussten wir auch machen. Also in Kunst war die Strafe auf jeden Fall Mahlbretter schrubben von allen. Das war ganz klar, oder Tische. Tische. In die Ecke mussten wir auch gehen, aber ich fand es eigentlich immer ganz lustig. Aber du durftest dann mit Rollstuhl oder was? Oder weil stehen ist natürlich das... Ja, die hätten also... Ich war halt wirklich... Also ich habe halt nicht so viel mit mir einfach machen lassen. Das war halt das Ding. Die konnten mit mir nicht einfach machen, was die vielleicht gerne gemacht hätten. Das hat nicht funktioniert. Ich habe mich dann in die Ecke mit meinem Rollstuhl gestellt und es gibt so ein sehr lustiges Bild von mir, wie ich so einen Hut auf habe, den ich so über meine Augen ziehe und so halb in meinem Rollstuhl liege und schlafe im Unterricht. Ja, wenn man Handys im Unterricht hatte, die wurden dann für drei Tage weggenommen und man Man muss da Hausmeisterdienst machen. Ja, aber das sind ja so Sachen, da merkt man, da sind wir verschiedene Generationen hin, das gab es ja einfach zu unserer Zeit noch nicht. Ja, voll, aber es gab auch einfach, es gab, also klar, aber es gab so kein Netz in unserer Schule. Ich weiß nicht, was die gemacht haben, ob die irgendwie ihre Wände mit Alu oder so ausgekleidet haben, aber es gab so kein Netz in dieser Schule. Und ... ja, also ... Keine Ahnung, ich bin dann halt zum Hausmeister gegangen, hab gesagt, ja, moin, hier, bitteschön, mein Handy. Ihr könnt's mir aber eigentlich gleich wiedergeben. Weil ... ich weiß nicht genau, was ich sonst mache. Und dann hab ich's halt einfach behalten. Oder ich bin nicht zum Hausmeister gegangen und hab mir 'ne schöne Zeit am Bach gemacht, weil meine Schule direkt am Bach war. Also, so ... - Mhm. Ja, also das war irgendwie nicht so das. Ja. Und hast du dann irgendwann, also weil jetzt sind wir so in der achten Klasse und in der neunten bist du ja dann, also achte Klasse ist Ende der Klassenlehrerzeit und hast du dann da irgendwie schon überlegt, ob du wechselst oder kam das dann tatsächlich erst irgendwie danach? Also weil das eine ist ja, dass das dir da einfach auch für dir selber bewusst war, dass dass es dir da nicht gut geht, ne? Also kommt zumindest bei mir so an. Ja, also mir war das schon früher bewusst, dass es mir da nicht gut ging. So, weil meine Klasse wurde irgendwann sehr problematisch. Also ab der 8./7. eigentlich schon wurde meine Klasse ultra problematisch. Leute aus meiner Klasse haben irgendwie Hakenkreuze in ihrer Hefte gemalt gemalt und haben irgendwie die deutschen Nationalhymne ultra abgefeiert und die die ganze Zeit gesungen. Und ich war halt immer schon so, Alter, was macht ihr da? Hört auf damit! Und das hat dann auch so angefangen, dass wenn irgendwie ein Aufzug kaputt war, mussten die mich halt immer die Treppen hoch und runter ziehen. Und dann haben die mich irgendwie auf den letzten drei Stufen losgelassen oder so. Und haben mir auch irgendwie, das war dann in der achten oder neunten Klasse, dass die mir Löcher in die Reifen in Handarbeit gestochen haben. Oder dass die mir meine Reifen weggenommen und versteckt haben oder so. Also, es war richtig abgefuckt. Und wie wurde damit umgegangen? Weil ich meine, das sind ja richtig heftige... Also sowohl... Mobbing gehört dazu! Jaja. Wurde nur gesagt. Wurde die echt so gesagt? Ja. Oh krass, weil ich finde, also einem Menschen, der angewiesen ist, auf seinen Rollstuhl die Reifen zu verstecken, das ist ja jetzt irgendwie kein kleiner Jungen-Streich oder so, sondern das ist einfach richtig, richtig krass. Ja, aber das... Also ich hatte halt in der Zeit eh kein gutes Verhältnis zu meinen Eltern und dann... (Sie seufzt.) Keine Ahnung, dann hab ich denen das auch nicht erzählt und hab gesagt, mein Rollstuhl war kaputt und bin ins Sanitätshaus gefahren. Hab meinen Rollstuhl reparieren lassen. Hab halt irgendwie gesagt, ich wär durch Scherben gefahren. Aber ... Oder ich wollte das nicht erzählen, oder ich weiß nicht genau, was los war. Aber die haben halt zu mir gesagt, sie können da nichts machen, ich muss damit selber zurechtkommen. Und wir hatten ja auch keine Schulsozialarbeit oder so. Also in der 9. Klasse hatten wir dann eine an der Schule, bei der sind die Leute Schlange gestanden. Sie wurde aber nach 3 Wochen gekündigt. Und raus. Also sie war für ein Jahr lang angestellt, aber sie musste nach 3 Wochen schon wieder gehen. Ja, also. Und die Leute sind halt Schlange gestanden bei ihr. Aber das mochten die Schule wahrscheinlich nicht. Ja. Ja, die war cool. Ich wollte gerade sagen, das Besondere bei Schulsozialarbeit ist ja eigentlich, dass die zumindest in der Theorie halt nicht vom selben Träger ist, sondern von woanders her. Das heißt, du hast wirklich eine externe Person, die in ihrer Loyalität für das Kind ist. Also nicht für die Eltern, nicht für die Lehrkräfte, nicht für die Schule, nicht für den Träger, sondern tatsächlich nur dem Kind verpflichtet. Und das ist natürlich in diesem Andruckkontext auch so nicht vorgesehen sozusagen. Und ich beobachte tatsächlich selber ein bisschen mit Sorge, dass es jetzt Waldorfschule Sozialarbeit gibt, also wo sie ihre eigenen Sozialarbeiter*innen ausbilden. Und damit hättest du halt dann eigentlich wieder interne Menschen sozusagen, weil das ja dann... Ja, das ist bei uns auch so. Also, so, es gibt so eine Schulsozialarbeit, die ist von der Schule eine ehemalige Lehrerin, die aber keine Sozialarbeiterin ist. Und die hat nichts drauf. Nichts. Und die hat dann sozusagen den Titel und kann das, aber in der Idee der Schulsozialarbeit kann sie nicht arbeiten. Die arbeitet nicht so, die hat einen Flyer. Die hat noch eine Ausbildung, ja. Ich hab mir irgendwann den Flyer von ihr mal geben lassen. Da stehen dann so... ...Nummern von diesem Waldorf Gesamtbund drauf, so, ja? Aber da steht nicht mal das Hilfetelefon drauf. Ja, na ja, weil das wäre halt extern. Das gibt's ja nicht. Also, das gibt's im Waldorf-Kontext nicht. Gewalt gibt's nicht. Jaja, wir sind ja alle gute Menschen. Jaja, und wir leben alle in einer heilen Welt. Ja. Jaja, genau. Aber wir waren eigentlich, also, das war dann so, 8. Klasse, dir ging es eh nicht gut, du hast wie viele Mobbing-Opfer irgendwie nicht mit deinen Eltern drüber geredet. Und die 8. Klasse dann irgendwie noch durchgestanden oder was? Und in der Hoffnung dann, dass das in der 9. besser wird? Ja, weil zum Beispiel das Klassenspiel hat mir richtig viel Spaß gemacht. Mhm. Also dieses große Achtklassspiel fand ich richtig cool. Und da war meine Klasse irgendwie auch noch cool. Also die war dann plötzlich wieder ganz cool irgendwie. Und das... Also und dann dachte ich, ja, vielleicht wird's besser. Mhm. Ähm, wurde es aber nicht. In der 9. Klasse wurde das alles irgendwie auch noch schlimmer. Vor allem mit den, also dann hatten wir Schneidern und der eine hat sich einen Pulli geschneidert und hat so eine Deutschlandfahne auf seinen rechten Oberarm gebügelt. Boah, das Wort ist mir grad auch nochmal eingefallen, da hab ich noch nicht nachgehakt gehabt. Ist denn, also abgesehen jetzt von dem Mobbing, wo sie gesagt haben, naja gehört dazu, musst du selber lösen, ist denn mit diesen ganzen politischen Sachen irgendwie was passiert? Also, wenn man ein Hakenkreuz in sein Heft malt, dann muss da doch irgendwas passieren. Ja, die haben gesagt, sie sollen es lassen. Dann haben sie das zwar gelassen in den Heften, aber in der Klassengruppe wurde es halt weitergemacht. Aber es ist richtig krass. Und dann auch so ein Lehrer, der hat, ein Geschichtslehrer, der hat auch gesagt, er würde mich nicht evakuieren, wenn irgendwas passiert. Ähm, dann hat, also, ja. Okay, krass. Dann hat jemand gefragt, wie Rollstuhlfahrer*innen evakuiert werden würden. Und dann meinte er so, entweder man würde sie extra evakuieren oder man würde sie da lassen. Und ich würde sie einfach da lassen. Und dann habe ich ihm gesagt, dass ich nie wieder in seinen Unterricht gehe. Und bin ich nicht mehr in Geschichte gegangen. In Musik bin ich nicht mehr gegangen, weil die die ganze Zeit die deutsche Nationalhymne singen wollten. und gesungen haben und der Lehrer sie nicht unter Kontrolle gebracht haben. In Deutsch, der Lehrer stand die ganze Zeit ultra nah hinter mir. Da wollte ich eigentlich dann auch nicht mehr hingehen. In Sport bin ich auch nicht mehr hingegangen, weil die Lehrerin irgendwann mich so aus dem Dauerlauf auf dem Sandplatz... Und ich war so, ich kann auf dem Sandplatz nicht... Laufen. Nö, nicht Rollstuhl fahren. Achso, auch das nicht. Nö. Und dann war sie so, ja, ist egal. Und dann hat die mich so einfach aus dem Rollstuhl rausgehoben, mich hingestellt und mir mein Rollstuhl weggenommen und meinte so, ja, dann lauf. Ey, die Leute müssen doch so basic ausgebildet sein, oder nicht? Also ich meine, auch da ist es ja wieder, Sie ist ja nicht zufällig so vollen Ups mit einem Kind oder Jugendlichen in dem Alter, mit einer Jugendlichen irgendwie im Rollstuhl konfrontiert, sondern das weiß man ja vorher. Ja, aber selbst dann, also ich hatte gar kein Problem damit zuzugucken. Ja. Aber sie hat halt gesagt, ich muss da mitmachen und hat mich dann halt aus dem Rollstuhl rausgehoben. Ja, nee, und das man das auch einfach, das meinte ich mit, man muss doch so ein Basic ausgewählt haben, das darfst du halt auf keinen Fall irgendwie machen. Du kannst doch nicht als Lehrkraft einfach mit deinen dir verantworten, wie heißt das? Schutzlingen? Ja, Schutzbefohlener glaube ich. Aber du kannst doch nicht mit denen einfach irgendwie verfahren. Aber das machen die doch alle an der Schule. Ja, hast auch wieder recht. Also ich weiß nicht, was die für eine Ausbildung haben, die Antro-Ausbildung, toll. Aber mehr haben die nicht. Ich meine, voll viele von denen. Es ist ja wirklich so, wir hatten in Religion irgendwann den Pianisten von Eurythmie gehabt, der uns dann erzählt hat, dass es die Mondlandung nicht gab und wir die ganze Zeit nur Sprüche von Rudolf Steiner in unser Heft schreiben mussten. Das war der freikristliche dann? Genau. Der freikristliche Religionsunterricht. Der Lehrer hat ultra oft gewechselt. Wir hatten immer nur Lehrer. Und die haben so ... Ich glaub, ich hatte acht verschiedene Religionslehrer*innen in neun Jahren oder so. Ja, krass. Und ... der hatte es einfach nicht drauf. Meine Parallelklasse, wir waren zweizügig, die hat immer supergut mitgearbeitet. Und die Tochter von diesem Lehrer war auch in meiner Religionsgruppe. Und meine Klasse ... hat's nicht gebacken, sich irgendwie zu benehmen. Und die meinten dann, ich wäre irgendwie die anführende Person gewesen oder so von dem ganzen Spaß. Ich hab halt irgendwann angefangen, so Demo-Sprüche in meinen Heft zu schreiben statt Rudolf-Steiner-Sprüche. Und hab irgendwie "Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland, Schwarzes Gold wird abgebrannt" in meinen Heft geschrieben. Und dann wurde mir vorgeworfen, ich hätte Morddrogen in meinen Heft geschrieben. Ähm... Aber jemand, der sagt, wenn ein Notfall wäre, dann lässt er dich einfach stehen, das hat natürlich keine Konsequenz. Nee, natürlich nicht. Der hat auch den Holocaust sehr arg verharmlost, genauso wie meine Klassenlehrerin, die gemeint hat, dass der Zweite Weltkrieg nicht interessant sei, weil nur Jahreszahlen drin vorkommen. Ähm, ja, ja, genau. Und, aber dieser Religionsunterricht, der war wirklich, wirklich faszinierend. Also, das hat nicht funktioniert. Wir mussten auch das Vaterunser beten. Danach mussten wir irgendwelche Rudolf-Steiner-Sprichleidaufsagen. Und ich bin halt die ganze Zeit rausgeflogen. Ich hab den richtig hops genommen. Der hat seine Bücher, seinen Atlas vor mir so auf den Tisch geschlagen. Und ein früherer Religionslehrer hat uns so mit Schlüsseln beworfen. Ja, das ist ja auch ein ganz typischer Waldorf-Move. Und seine Gitarre, die er damals zur Kommunion bekommen hat, hat er vor einem Schüler aus meiner Klasse so auf den Tisch gehauen, Dass die Gitarre in 1000 Splitter gesprungen ist. Der ist jetzt Lehrer an der normalen Grundschule von meinem kleinen Bruder. Oh man. Ja, das ist wirklich richtig crazy, was da passiert ist. Ja, genau. Wir haben nämlich jetzt schon die Stunde geknackt. Aber du warst dann jetzt 8. Klasse. 8. Klasse-Spiel war super. Und du hattest nochmal die Hoffnung, dass das vielleicht doch irgendwie gut wird, also dass dir das vielleicht auch in der Klasse besser läuft und dann bist du in die 9. und dann hat sich das aber einfach nicht so entwickelt, wie du es vielleicht erhofft hast. Und was war für dich dann da sozusagen der Grund, dass du dann gesagt hast, du willst gehen, während du die Jahre davor irgendwie, ja scheinbar jetzt noch nicht in der 6. oder so gesagt hast, ich will jetzt hier weg. Ich glaube, ich bin... Also was hat dich geändert? Ich glaube, es war dann so die Mischung, dass ich irgendwie wirklich ... keine Freunde mehr in der Klasse hatte oder so. Oder es hat sich nicht geändert. Mir war dieses Ganze mit den Abschlüssen ein großes Rätsel, wie das funktionieren soll. Und in der 12. Klasse Realschulabschluss machen, fand ich irgendwie nicht so prickelnd. Und dann wurde das aber mit meiner Klasse halt immer schlimmer. Und das mit den Reifen war halt dann irgendwann in der 9. Klasse und so. Und ich konnte einfach... Ich konnte nicht mehr. Ja. Und das mit den Lehrer*innen hat sich auch alles verschlimmert. Also, ich hatte gar keine Lehrer mehr, zu denen ich gut... Also, mit denen ich gut war. Meine Klassenbetreuerin, die ist nach der 9. gegangen. Und das wusste ich sehr früh, weil die mir das gesagt hat. Mit der hatte ich noch ein relativ gutes Vertrauensverhältnis. Die war ultracool auch. Das war die einzige, die cool war. Bio- und Chemielehrerin. Und die ist aber dann gegangen. Dann war ich so, ich mach das nicht mehr. Dann bin ich nach Hause gefahren am vorletzten Schultag. Hab denen am vorletzten Schultag in der Schule gesagt, yo, ich komm nicht mehr. Dann wurde ich irgendwie doch mit so einer Rose verabschiedet auf dieser Bühne und wollte auch eigentlich gar nicht. Und diese Lehrerin, die mich verabschiedet hat... Monatsfeier oder was? Bei uns war das so, dass die Leute dann verabschiedet wurden, die gegangen sind, nochmal auf die Bühne gerufen wurden und so dann eine Rose bekommen haben. Und die wurden dann mit den Lehrer*innen und den anderen Schüler*innen alle verabschiedet, nachdem die 12. Klasse verabschiedet wurde. Weil sie auch so gegangen ist. Und dann haben wir... Also dann hat diese Lehrerin, die mich verabschiedet hat, einfach geheult. Und ich war so... Oh Gott, ich war richtig überfordert. Und ich wollte einfach nur gehen. Und dann bin ich nach Hause gegangen. Und war so krass wütend. Ich weiß nicht, warum ich das letzte Mal so krass wütend war. Und bin dann... Und dann war da irgendwo und hab dann mit so einem Hammer Sachen kaputt gemacht. Und hab so Geschirr auf den Boden geschmissen, was so alt war, weil ich irgendwas kaputt machen musste. Und hab gesagt, ich geh nie wieder in diese Schule. Hab dann in der ersten Woche vor den Sommerferien sehr viele Schulen angerufen. Und dann gab es genau eine Realschule in der ganzen Stadt, die einen Aufzug hatte. Und das war dann auch alles geregelt, dass ich auf diese Schule gegangen bin, weil ich war ja noch schulpflichtig und ich habe gesagt, ich gehe nicht mehr auf die Privatschule. Dann musste mich ja eine staatliche Schule nehmen. Und dann hat mich die Schule genommen und es war diese Schulzeit, es war die beste Schulzeit, die ich hatte auf dieser normalen Realschule. Es war richtig toll. Ich war so froh, endlich weg zu sein. Hattest du denn auch Angst vor dem Wechsel? Nein. Ich war richtig froh. Meine Schwester war da noch und hat Abi gemacht an der Schule. Und ich habe noch die ganzen Updates immer bekommen von dieser Schule. Aber ich war richtig froh. Ich war froh, nicht mehr diese millierten Wände zu sehen. Und diese Holztische und Stühle und Steinerfiguren. Überall in unserer Schule waren so Messing-Steinerfiguren. So Köpfe. So im Foyer hängt dann so ein Steinerkopf an der Wand. Aus Messing. Oder so. Überall. Und so Bilder von dem. Ich war so froh, ihn nicht mehr sehen zu müssen. Ich wollte ihn auch immer kaputt machen schon. Also, weil der hing so direkt neben dem Aufzug und der Aufzug war richtig langsam. Der Aufzug war natürlich auch so dein Ding, ne? Ja klar, und das war so mein Ding und dann stand ich immer direkt neben Steiner, der immer so auf mich runter geguckt hat. Er hatte aber richtig arge Gewaltfantasien gegen den. Sag mal, hast du noch so ein bisschen zum Abschluss irgendwie, hast du von den Erwachsenen um dich rum, ich sag mal, anthroposophische Einordnungen deiner Situation um die Ohren gehauen gekriegt? Das geht ja oft so in Halbsätzen. Außer, dass jetzt die Eurythmistin meinte, dass du, wenn du da AILS in der Heil-Eurythmie machst, kein Korsett und keinen Rollstuhl mehr brauchen würdest? Nö. Also, nee, hatte ich nicht, weil die haben das dann auch irgendwie alle infrage gestellt, glaube ich, so, bei der Familie oder bei den Eltern vor allem. Nee, ich meine die jetzt so Lehrkräfte und so. Ach so, Lehrkräfte. Ja, also das so die, die, oder ich weiß nicht, ob du im Hort warst oder sowas, also das man, Also das erinnere ich halt, dass man lernt natürlich keine Anthroposophie, aber es gibt schon relativ viel in der Einordnung von Dingen. Ah, der ist jetzt krank und hat Mumps oder so. Oder die hat jetzt dies und jenes. Also dass du irgendwie sowohl mit so, naja, was man so an Flurgesprächen mithört beim Abholen, als auch irgendwie auf festen Bazaaren, aber halt auch von den Lehrkräften, dann doch immer wieder so eine Einordnung. Ja, das tut dem jetzt gut, ist der hier oder da. Und daran ist der total gewachsen und der hat sich hier total entwickelt, weil er jetzt irgendwie sich das Bein gebrochen hatte. Also das meine ich so was. Das ist klar, oft. Ich kenne das halt nicht, dass jetzt jemand zu einem direkt sagt, das war jetzt sein Karma oder das war ihr Karma und deswegen ist das so. Aber dass man doch an vielen Stellen irgendwie so eine Art Victimblaming eigentlich, also so wie das mit dem, wo du gesagt hast, da musst du jetzt selber durch mit dem Mobben. Das ist jetzt so irgendwie... Doch, doch, so was kam oft. Also dieses "Ja, du musst dich nur darauf einlassen". Also gerade bei Heil Eurythmie kam das dann so. Ja, wenn du von Anfang an dagegen bist, dann kann das nicht funktionieren. Und die wollten mich dann so dazu bringen, dass ich mich so darauf einlasse und so. Und haben gesagt, ja, das ist gut für mich, weil das beruhigt meinen Geist oder so, haben sie gesagt. Und ich war so, mein Geist ist ruhig. Ich erinnere mich. Mein Geist ist ruhig. Ihr habt keine Ahnung von meinem Geist. Ja, wirklich. Das ist sein Geist. Mein Geist klatscht dich gleich. Wie will man das aus- und steinern mit den astralischen Ohrfeigen? Na egal. Geil. Guck auf den gleich noch. Astralische Ohrfeigen. Ne, dass du vorher sagtest, dass du schon so suggeriert gekriegt hast, dass Laufen besser wäre. dass du dich mehr anstrengen müsstest zu deinem eigenen Besten, dass du dich nicht einfach auf deine Hilfsmittel verlässt. Aber das ist nicht Waldorf-spezifisch. Das ist bei jedem Arzt, wo ich bin, auch jetzt noch, von der ganzen Gesellschaft wird einem das die ganze Zeit gegeben. Also dieses ableistische Ding ist nicht Waldorf-spezifisch. Das ist tatsächlich einfach überall drin. Was halt Waldorf spezifisch ist, ist, dass man das mit der Seele drin ist. Und mir wurde tatsächlich auch gesagt, dass ich selber daran schuld bin, im Rollstuhl zu sitzen. Weil ich in meinem früheren Leben keine guten Dinge gemacht habe. Okay. Das wurde mir in der dritten Klasse erzählt. Fand ich spannend. Hat es was mit dir gemacht? Nee. Also war ich so... Nee, weil ich hab das, warum ich im Rollstuhl sitze, von meinem Vater geerbt. Deswegen hat, glaub ich, auch die Heil-Orthopädie-Miste gemeint, dass mein Vater sich nicht gut um mich kümmern würde. Aber die meinte das natürlich nicht genetisch, sondern die meinte das natürlich seelisch oder sonst so. Safe. Aber ich weiß nicht genau. Ich hab mich schon auch gefragt, dann hätte ich ja böse sein müssen in meinem früheren Leben. Mein Vater gleichzeitig mit mir böse sein müssen im Leben, dass ich das von ihm erben kann. Und mein Opa hat das auch. Also hätten wir alle 3 gleichzeitig in unseren allen 3 früheren Leben leben müssen, um alle die gleiche Erkrankung zu bekommen. Und das war dir als Drittklässlerin schon irgendwie klar, dass das... Also mir war klar, dass ich kein früheres Leben hatte, wo ich böse war. Das ganz sicher nicht daherkommt. Okay. Die konnten mir, das meine ich, dass ich ein schlechtes Waldorfkind war, die konnten mir mit dem Zeug, ich konnte mit dem Zeug nichts anfangen. In diesem Adventsgärtlein war ich kurz mal andächtig, bis ich alle Äpfel mit den Kerzen drin umgeschmissen habe, weil ich nicht mit dem Rollstuhl reinfahren durfte. Da habe ich so ein Tannenzweig angezündet. Weil ich halt so nicht richtig gelaufen bin und dann so gestolpert bin und dann einfach so fünf Äpfel oder so umgeworfen hab. Ja. Achso, das war dann auch so, dass du nicht deinen Rollstuhl benutzen durftest, deswegen unsicher gelaufen bist und deswegen... Och man. Meine Schwester wollte irgendwann mal Engel im Advents-Skateline sein, weil sie haben Engel gesucht und meine Schwester war so, ja okay, dann mach ich das halt so aus Spaß. Aber sie durfte nicht, weil sie blaue Haare hatte und das das Seelenbild der Kinder zerstören würde. Manchmal weiß man doch echt irgendwie... naja, egal. Ja, genau. Okay, dann sind wir jetzt tatsächlich so weit gekommen, dass du die Schule verlassen hast. Gibt es noch irgendwas, wo du denkst, das haben wir jetzt vergessen? Nee, ich glaub nicht. Ich glaub, ja. Dann würde ich nämlich erstens dir auf jeden Fall mal mich bei dir bedanken, dass du das irgendwie so erzählt hast und war für mich wieder so eine Mischung aus irgendwie fühlt sich total vertraut an, auch wenn das irgendwie mindestens 20 Jahre Unterschied sind und andere Schule, anderes Bundesland und Und gleichzeitig, dass das natürlich auch eine ganz andere Erfahrung ist, die du gemacht hast. Weil ich war ja das ideale Waldorf-Kind. Also ich hab das ja alles gefressen. Du hast das alles... Ja. Ich hab das alles total... Das ist auch interessant. Ja, genau. Ich war so ein sonnenscheinend Kind. Ich glaub, deswegen fällt es mir... Ich war immer die Schwichtste der Klasse und so. Ja, ja. Ich glaub, deswegen fällt es mir auch ein bisschen einfacher, wie ich so damit zu... Also klar, ich hab ultra die beschissene Erfahrung gemacht, aber mir fällt's einfacher, mich so davon so krass zu distanzieren. Und so direkt, also ich... Für mich klingt das auch so, als wärst du einfach... Du bist zwar zur Waldorfschule gegangen, aber du hast es nicht zu deinem gemacht. Während ich halt wirklich... Ich war Waldorfschülerin. Und das noch lange über meine Waldorfschulzeit hinaus. Oha, nee. Das ist natürlich einfach was völlig anderes. Ja, voll. Nee, ich glaube, ich hätte schon zu einem Waldorf-Schülerin werden können, hätten die nicht so von Anfang an mir so viel Zeug, was so klar ist, dass es nicht... Also, das ist so... Na, für dich war das klar, ne? Das ist Welt... das ist so... ja... Also, ich weiß zum Beispiel nicht, was ich... also, wenn ich jetzt in deiner Klasse gewesen wäre, Ich weiß nicht, was ich geglaubt hätte, sozusagen. Also, ob ich eher an bestimmten Konfliktstellen oder so dir geglaubt hätte oder dem Narrativ der Lehrer*innen. Also, man kriegt ja an verschiedenen Stellen, finde ich, auch, wenn es Probleme gibt, in der Klasse oder so, so ein Narrativ erzählt, von wegen irgendwie, ja, das Kind kann jetzt irgendwie, hat jetzt Probleme damit, dies und jenes oder ist da und da überfordert. Und es gibt ja oft auch, finde ich, ganz viel so Täter-Entschuldigungs-Narrative. Also irgendwie wo dann immer eigentlich für Verständnis der Kinder geworben wird, die irgendwie halt cholerisch sind oder sich nicht so im Griff haben. Und das war ja nicht so gemeint und irgendwie sowas. Und auch diejenigen, die dann irgendwie gemobbt werden, irgendwie dann so geframed werden mit, Naja, die müssen auch lernen, dass sie selbstbewusster werden, oder dass sie nicht so eine Projektionsfläche geben, oder wenn sie gehänselt werden, dann sollen sie das an sich abprallen lassen. Das wurde denen immer erzählt. Also wir hatten eine, die wurde gerade in den unteren Klassen sehr viel gemobbt. Ich hab das immer nicht verstanden. Ich wollte immer so... Ich war immer so... Alter, das ist sau ungerecht. Ich wollte immer so... Ich war halt gar nicht... Es gibt ja Menschen, die sind sehr konfliktscheu. Und ich hab eher Konflikte gesucht bei anderen. Und ich weiß auch, ich war ein unfassbar nerviges Kind. Und ich glaub, die Lehrerin hat mich einerseits... Ich war einerseits ihre Lieblingsschülerin, hat sie gesagt, und andererseits hat sie mich einfach gehasst. Und ich glaub, das ist so dieses Ding von... Ich weiß, dass es Waldorfkinder in meiner Klasse gab, Und die mich, also ich fand sie nervig und sie fanden mich richtig scheiße. Und bei uns in der Klasse ist es halt irgendwann richtig eskaliert mit diesem Mobbing, dass also einer aus meiner Klasse hatte einen Suizidversuch, was sie gemacht haben. Sie wurde nach Hause gefahren, wo sie aber nicht hin wollte. Also so von der Klassenlehrerin mit dem Auto. Ja, fällt mir... hab ich tatsächlich keinen... Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Also, das ist halt einfach unverantwortlich. Ja, klar. Aber das wird halt die ganze Zeit gemacht. Also, so... Genau, und gleichzeitig ist halt vieles davon so normal, dass mir auch manchmal gar nicht einfällt, erstens, wie es anders sein könnte, und zweitens, ich auch... mich das dann... also, das merke ich auch so bei mir selber, dass dann manchmal irgendwie... ich denke, hä, eigentlich müsste ich jetzt schockiert sein, Und manchmal bin ich das auch. Aber häufig ist es auch so, dass das ja, na klar, ist das scheiße, das sehe ich schon. Ich meine, ich bin auch ein bisschen älter und so. Aber das kommt dann eher vom Kopf her, dass ich denke, das kann nicht sein, das darf nicht sein, das ist nicht okay. Aber aus dem Bauch nicht so was kommt von "Krass, das geht überhaupt nicht", sondern aus dem Bauch eher so was kommt, naja, ja, ist halt normal. Ja, ja, voll. Wenn mir Leute, die auf einer Waldhofsschule waren, irgendwas erzählen, was total abstrus ist, oder so richtig beschissen ist, dann denke ich mir so, ja, das ist richtig beschissen, aber es war bei mir genauso. Jaja, genau. Und damit ist es halt auch ein Stück weit normal und damit hat es auch halt nicht so den schockierenden Neuigkeitswert, dass man solche Sachen dann auch zu Hause erzählt oder so. Oder auf irgendwelchen Feiern oder im Sportverein, wenn man irgendwo ist oder so, sondern es ist halt irgendwie normal. Ja, ich meine dadurch, dass ich mich jetzt viel damit beschäftige und auch noch zu Hause wohne, ich rede schon mittlerweile sehr viel mit meiner Mutter darüber und ich weiß halt, dass sie eigentlich nur was Besseres für mich wollte, als sie damals hatte, weil sie war auf dem katholischen, tief erzkatholischen Gymnasium, was richtig schrecklich war. Und das weiß ich schon, und gleichzeitig tut es ihr aber halt so unfassbar leid. Ja. Ja. Wenn du dir noch was wünschen dürftest, von denen, die jetzt heute zugehört haben, was wäre das? Beschäftigt Euch mit Waldorfschulen, bringt das Zeug an die Öffentlichkeit, weil was an der Waldorfschule passiert, sollte nicht in Waldorf händen bleiben, sondern sollten Leute mitkriegen, damit sich dieses System vielleicht, hoffentlich, irgendwann verabschiedet. Ja, das wünsche ich mir auch. Also, genau, hatten wir vorher auch schon so im Kleinen in Bezug auf Schulsozialarbeit oder so. Ja. Genau, einfach mehr externe Blicke. Ja. Dann danke ich dir sehr herzlich, Y. Ja, es war gut, das mal zu erzählen. Also ich habe es auch schon öfter erzählt. Danke dir. Und mach's gut. Tschüss. - Tschüss. [Musik] [Musik]

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